Im ersten Teil der Artikelserie zum Thema Achtsamkeit sprach ich über die vier wesentlichen Elemente der Achtsamkeit, die ein bewusstes Leben ermöglichen:

  1. Selbstbewusstsein
  2. Bewusstsein der Anderen
  3. Sich mit der Vergangenheit aussöhnen
  4. eine Vision für die Zukunft

Im zweiten Teil widmen wir uns den verbleibenden vier Elementen für ein achtsames Leben.

 

Leben im Hier & Jetzt

Dass ein Leben in der steten Erinnerung an die Vergangenheit das momentane Leben und Erfahren des Jetzt verhindert, hatte ich bereits beschrieben. Auch das Leben in der Zukunft, als reiner Ort der Gedanken, ist unachtsam. Achtsam ist es, wenn wir zwar eine Vision haben, diese aber im Jetzt verwirklichen und nicht erst in der Zukunft ausleben. „Wenn ich erst einmal schlank, reich, fit/gesund, beliebt, weniger gestresst, usw. bin, dann…“ ist der falsche Weg. Korrekterweise ist das Leben im Hier und Jetzt ein Zeugnis der Akzeptanz des Augenblicks, der einzige Zeitpunkt, an dem wir wirksam sind und sein können.

Erledige die Aufgaben, die du heute erledigen kann, mit bestem Gewissen, und widme dich den morgigen Aufgaben erst, wenn das Morgen gekommen ist. Zum jetzigen Zeitpunkt ist alles so, wie es sein sollte. Dies gilt es anzunehmen und zu spüren. Welche Ressourcen, Herausforderungen, Glückstreffer wir morgen haben werden, wissen wir erst morgen.

 

Gleichgewicht im Leben

Die bisherigen Elemente sorgen so für ein völliges Gleichgewicht aller Ebenen (Körper, Geist, Herz, Seele). Wir Normal-Menschen beschäftigen uns zu oft mit den noch kleineren Bereichen wie Liebe, Job, Fitness, Geld, Familie. An all diesen haften Gedanken, die im positiven Fall fördern und zur Handlung auffordern. Im negativen Fall blockieren sie uns, weil die Konfrontation und Ratlosigkeit oft einfach nur lähmt. Gleichgewicht stemmt sich dann dagegen, wenn wir achtsam mit ALLEN Ressourcen in ALLEN Bereichen leben. Eine gesunde Auseinandersetzung mit unserer Aufmerksamkeit ist der Schlüssel:

  • Wem oder was gibst du Aufmerksamkeit?
  • Wohin oder zu wem gehen deine Gedanken?
  • Sind sie positiver, lösender, friedlicher Natur oder tragen sie negative Inhalte wie Vorwürfe, Schuld, Angst?
  • Widmest du dich in deinen Worten, Gedanken und Handlungen anderen Menschen und gehst von dir weg?
  • Bist du zu sehr und zu oft bei dir und ignorierst den Rest der Welt?
  • Was gibst du? (Was wird dankbar angenommen?)
  • Was wird dir geschenkt? (Wofür bist du dankbar?)

Diese Fragen lassen dich erkennen, welche Art von Input dich nährt und welcher Output vorhanden ist. Gleichgewicht heißt das gleichwertige Erleben von Input und Output.

 

Den Umgang mit unseren Emotionen meistern

emotionen gefühle angst meistern könnenUnd so erzeugen wir einen gesunden Umgang unserer Gefühle und Emotionen. Die vorherigen Elemente versorgen uns mit Standhaftigkeit und Unangreifbarkeit (nicht Unverletzbarkeit). Wenn wir uns (er)kennen, kennen wir auch unsere Gefühlswelten: Wir wissen, was uns triggert, was getriggert wird, woher es kommt, wie wir damit umgehen, wenn uns ein Gefühl erwischt. Wir kennen, was wir können. Wir haben Entscheidungen getroffen und können diese jederzeit wieder treffen, weil wir eine Vision für uns und unser Wirken (in Verbindung mit all unseren Lieben) leben. Uns steht nichts mehr, was uns nicht fehlt. Wir wissen genau, was wir brauchen. Wir leiden nicht mehr unter etwaigen Konsequenzen. Wir erfahren die Reaktionen der Anderen vielmehr als natürlich, aber es raubt uns nicht den Schlaf. Wir lassen uns weder emotional in etwas Fremdes hineinziehen, noch sind wir Opfer anderer Bedürfnisse. Wir können Selbstabgrenzung und Verbundenheit vereinen, ohne Trennung zu fürchten.

Aber dafür erlauben wir unseren Gefühlen da zu sein, weil wir sie anerkennen, uns in ihnen erkennen, ohne auf sie zu hören. Wir nehmen zwar wahr, was uns Angst, Scham und Schuld, Traurigkeit, Wut, Ekel usw. flüstern, aber es ist nur ein Vorschlag, nur eine Erinnerung unseres Geistes. Seine Aufgabe ist es nun einmal, uns vor Verletzungen und Getrenntsein zu schützen. Doch unsere Gefühle zu meistern bedeutet, sie hinterfragen zu können – und notfalls akzeptierend da sein zu lassen, ohne nach ihnen zu handeln: Man kann traurig sein und trotzdem mit Absicht bewusst lächeln und hoffen. Man kann sich fürchten und dennoch den Mut aufbringen. Man kann abgelehnt werden und dennoch seinen Wert kennen und schätzen. Jedes Gefühl, so überwältigend es auch erscheint, erfährt man als etwas, das jetzt da ist und im nächsten Moment wieder weg – ausgelöst durch Aufmerksamkeit auf die Vergangenheit, Sorge um die Zukunft, das Gefühl des Getrenntseins, dem Umgang mit unachtsamen Menschen, dem Wichtigernehmen anderer oder sich selbst.

 

Lebenssinn

lebenssinn durch achtsamkeit achtsames lebenDas WARUM deines Lebens, der Sinn hinter allem, was du tust und nicht tust, sollte in Übereinstimmung mit deinen Leidenschaften stehen. So stärken wir den Sinn und Zweck. So lassen wir Leere und Funktionieren hinter uns. So vermeiden wir Schmerz und toxische Menschen, weil wir und unser Sinn uns ausreicht. Diese Selbstgenügsamkeit, ohne anderen gefallen zu wollen oder zu müssen, macht uns komplett und perfekt, genauso, wie wir sind. Das allein trägt uns weiter, als je gedacht. Jeder Rückschlag ist plötzlich nur ein Hindernis, das wir durch Umdenken und Dankbarkeit aus dem Weg räumen. Nichts hält uns mehr ab oder auf. Solche Leidenschaften, die sinnstiftend sind, lassen uns nicht nur täglich achtsam sein. Sie ermöglichen uns zudem, über alles Negative und Herausfordernde in unserem Leben mit Hoffnung und Zuversicht zu blicken.

Sind all diese acht fundamentalen Elemente der Achtsamkeit integriert, kann alles von Yoga, Meditation, Spazierengehen, Gärtnern, Autofahren, Arbeiten, Kochen, Zusammensein mit Kindern und der Familie, ja sogar Streiten und Verhandeln Achtsamkeit fördern. Das Schöne an der Kenntnis der Elemente ist, dass wir nichts Einzelnes brauchen, keinen Kurs irgendwo buchen müssen, an keinen teuren Retreats teilnehmen oder Unmengen von Bücher über die Lehre von Guru XYZ lesen müssen – in der Hoffnung, Achtsamkeit zu verstehen. Die Kunst, ein achtsames Leben zu führen, besteht darin, es zu leben – und jetzt damit zu beginnen, um es in jedem Augenblick so als neue Verhaltensweise in unseren Alltag zu integrieren.

Zum 1. Teil der Artikelserie: Die 4 wesentlichen Elemente eines achtsamen Lebens

 

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