Es wird oft von Stress gesprochen, wenn wir uns auf die Suche nach Auslösern für Angst, Burnout und Panikattacken machen. Doch woher dieser Stress rührt, meint die eine wahre Ursache, die zu innerer Hektik, Getriebensein und Enge führt, bleibt oft unbeachtet. Da ich mich ja selbst mit diesen Themen auseinandersetzen musste, möchte ich im Folgenden gern die wichtigsten Ursachen verdeutlichen.

Sie sind greifbar und erlauben dir, dich einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

 

Die wichtigsten Gründe/Auslöser für Burnout, Angst & Panikattacken

Zu viel drinnen – zu wenig draußen

zu viel drinnen sein nicht draußen sein panikattacken anschluss verlieren isolation angstWir sitzen ja alle viel zu viel und überhaupt sei Sitzen das neue Rauchen. Dennoch verbirgt sich hinter dem Sitzen vor allem eine Gefahr, die ich verheerender finde: Das mehr in den Räumen sein als im Kontakt mit der Natur, an der Frischluft, dem Leben da draußen, dem Teilhaben am Anderen, Kontakt zu Menschen. Dadurch sperren wir uns ein, es nährt Enge in der Brust, es nährt Einsamkeit und das Gefühl, getrennt zu sein, ausgeschlossen und unbeachtet, unwichtig und ohne nährende Kontakte. Es ist einer der wichtigsten Auslöser für Agoraphobie und Panikattacken (wie auch das gegenteilige Extrem, nämlich kein wirkliches, gefühltes „Zuhause“ zu haben, keinen Halt in einem geschützten Raum zu haben oder zu spüren). Wir alle brauchen sichere Rückzugsorte, die bestenfalls lärmfrei, giftfrei und ohne emotionale Störquellen beschaffen sind. Wer in seinen Räumen (und auch als Symbol seines Inneren) keine Sicherheit spürt, „nur noch weg will“, der hat seine Grundlage für Panikattacken – bis hin zu Depressionen, in denen man –  metaphorisch gesprochen – am besten gar nichts mehr spürt, weil man sonst nur Leere oder tiefe Trauer fände, handeln müsste, ausbrechen müsste.

Im umgekehrten Fall ist das Außen, draußen sein, mit sich und der Welt, den Geräuschen, ein Ausgleich, der nötig wird, wenn man das Außen zu lange vernachlässigt hat. Agoraphobie, soziale Ängste, Panikattacken und Burnout zum Beispiel werden nicht besser, wenn man drinnen und mit sich allein bleibt. Im Gegenteil: Es ist das neue Lernen des Außen und des Umgangs damit, die Konfrontation und Gewöhnung, ein neues Vertrauen zu lernen, das die Symptome bessert.

 

Deine Aufmerksamkeit ist fehlgeleitet und führt daher zu einem Ungleichgewicht

Deine Energie richtet sich auf andere, zu sehr auf andere. Die Aufmerksamkeit, die du deinen Lieben, Mitmenschen, Kollegen und Freunden schenkst ist im Verhältnis zu der, die du dir schenkst, aus dem Gleichgewicht geraten. Auch ist es möglich, dass du zu sehr den Fokus auf das Leben der Anderen richtest, ihren Situationen und Herausforderungen, Bedürfnisse und Ängste. Du möchtest sie zufriedenstellen, sie beruhigen, da sein, es ihnen rechtmachen, für Harmonie sorgen oder was auch immer deine Motivation ist. Doch der Preis dafür ist – je verstärkter du das machst – irgendwann zu hoch. Damit geht der Blick auf dich und dein Leben, deine Gefühle und Bedürfnisse zwangsweise verloren. Je mehr du dich in deinem Leben von dir entfernst, desto mehr wird das Überlebenssystem in dir anspringen, auf AN stehen bleiben, rebellieren und dich durch Angst und Panikattacken warnen – im Notfall sogar in eine Starre bringen (Angststörung, Panikstörung, Depression, Burnout), damit du mit anderen kaum mehr Kontakt haben kannst (darfst) und dich nur noch dir widmen kannst.

 

Zu viel Input, zu wenig Output

zu viel input zu wenig output reize außen panikattacken angstGegenüber einem meiner Kollegen nannte ich das einmal „zu viel von zu wenig“-Syndrom. Damit meine ich diese Lebensweise: Tun wir zu viel von dem, was uns zu wenig zurückgibt, uns Energie nimmt, aber nicht schenkt, landen wir täglich in einem Mangelverhältnis und hantieren nur noch mit dem Wenigen, das uns übrigbleibt.

Stellen wir uns unser Leben und unsere Energie als ein mit Flüssigkeit gefülltes Glas vor: Je mehr wir an Flüssigkeit brauchen, ohne sie wieder aufzufüllen, desto schneller kommen wir in einen sehr niedrigen Bereich, in dem kaum mehr Ressourcen (also Flüssigkeit) zur Verfügung steht. Haben wir nichts gegen das Leerende gegenzuhalten, was das Glas wieder auffüllt, wird es kritisch für die Aufrechterhaltung unseres Lebens. Je mehr wir also etwas tun, was wir nicht wollen, was uns keinen Sinn stiftet, uns verletzt, aussaugt und ängstigt, desto mehr ziehen wir genau das in unser Leben. Gegenzuhalten bedeutet also etwas ins Leben zu holen (und zwar schnell), was uns wieder füllt. Keineswegs meint das, dass wir losrennen und uns einen anderen Menschen suchen, der uns wieder „heilmacht“ mit seiner Energie, Aufmerksamkeit und Zuwendung. Das eine mit demselben zu vergelten, schädigt nur einen weiteren Menschen.

Gemeint sind Werte, die in Aktivitäten, mit den Lieben und Freunden oder neuen Menschen ausgelebt werden können: Das kann vom Kontaktherstellen zur männlichen und/oder weiblichen Seite, der bedingungslosen Liebe von Kindern oder Tieren, dem Kontakt zu seinem Körper durch Sport oder Bewegung bis hin zum Nähren des Geistes durch neue, spannende Themen (Literaturwelten, Weiterbildung, eigene Spiritualität usw.), der Verbindung zu seiner kreativen Seite oder andere, nährende Möglichkeiten reichen. Hauptsache, es erfüllt dich und erlaubt dir, dass du dich wieder fühlen kannst.

 

Unterbrochenwerden

Wer in seinem eigenen Leben zu einem Springer wird, also stets, wenn andere rufen, springen (muss/will/glaubt zu müssen), wird nicht nur in seinem Zeiterleben unterbrochen, wodurch er das Gefühl bekommt, er hätte für sich keine ausreichende Zeit zur Regenerierung oder um in seinem Tempo zu denken, arbeiten, fühlen. Er wird auch in seinen Bedürfnissen unterbrochen, die nötig sind, um im Kontakt mit sich selbst zu bleiben. Das kann zum Beispiel Auszeiten angehen (nur schnell in die Badewanne, bevor… oder ganz schnell einkaufen, bevor… oder nach der Arbeit ganz schnell die Kinder abholen, ohne den Arbeitstag hinter sich lassen zu können). Es kann aber auch die eigenen Leidenschaften betreffen, die in den Hintergrund gerückt werden (müssen/sollen), eben obwohl sie einen nähren und wertvolle Energie zur Regenerierung spenden.

Es müssen zwingend – wenn wir ohne Angst, Depressionen und Panik leben wollen, eigene werte- und sinnstiftende Zeiten in Ruhe ausgelebt werden können. Sollte das schwierig sein, muss man sich auf die Suche nach Unterstützung machen, gegebenenfalls Aktivitäten/Bitten verneinen, den Job wechseln, jemanden für die Kinder oder den Haushalt engagieren, sich aufteilen mit der Betreuung der Kinder oder andere Lösungsstrategien. Aber ein „Es geht nicht!“ gibt es nicht. Das steht für deinen Körper nicht zur Debatte, wenn sich Angst und Panikattacken breitgemacht haben.

 

Unterdrückte oder offensichtliche Einsamkeit

wie du deine angst allein zu sein überwinden kannstVon der Flucht vor Leere durch Arbeit, Alkohol, Sport, Sex oder andere Kompensationen bis zur inneren Verneinung/Abwehr einer nötigen Veränderung (lieber eine angenehme, erwartete Rolle spielen, Flucht vor sich und seinen Herausforderungen aus Angst vor den Konsequenzen): Einsamkeit zeigt sich auf vielfältige Weise und ist in meinen Augen die Ursache für alle psychischen Belastungen. Häufig wird sie durch den Verlust von geliebten Menschen hervorgerufen (Tod, Umzug, Auszug der Kinder). Aber auch fehlende Werte in seinem täglichen Leben oder verlorengegangene Werte führen oft zu einem Gefühl des Überwältigtseins durch das leere Nichts. Keine Zuwendung, keine Teilhabe, keine Wertschätzung, nicht gebraucht werden, das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit: Selbst in Partnerschaften oder im Beruf sind wir nicht vor Einsamkeit gefeit.

Was hilft, ist entweder das Aussöhnen mit den Umständen, durch Vergebung und Neuverbindung mit dem, was einst Halt und Sinn verlieh. Oder man stellt sich der Herausforderung und löst das „Problem“, in dem man sich (aus dem Umstand) löst. Lösen heißt auch, die Angst vor Einsamkeit oder vor Verletzungen loszulassen. Viele geraten in die Einsamkeit durch Isolation, weil sie meinten, diese würde sie vor Verletzungen schützen. Aber auch Passivität, also das Warten darauf, dass von allein etwas geschieht, ohne dass man etwas tun muss, man gefunden würde oder das Glück vor der Tür stünde, kann einsam machen. Sich nicht zu trauen, ist selten ein funktionierender Weg aus der Einsamkeit. Ob man seine Einsamkeit für sicher hält, erkennt man leicht daran, ob man bei Gelegenheiten, die einem gefallen würden/könnten, dann doch einen Rückzieher macht und vermeintliche Gründe sucht, wieso etwas „nicht geht“.

Wir waren alle einmal da. Auch ich. Als Autorin des Buches „Über die Kunst, allein zu sein“ empfehle ich dir in diesem Fall mein Buch zu lesen.

Mit den besten Wünschen,
Janett Menzel

Janett Menzel Angst Blog

 

 

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