Macht Studieren krank? Mehr Studierende leiden unter Existenzängsten

Macht Studieren krank? Mehr Studierende leiden unter Existenzängsten

 

Die Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Krankheiten nimmt unter Studierenden drastisch zu. Dazu gehören auch eine Reihe an Angststörungen sowie Panikattacken. Rund eine halbe Million Studenten in Deutschland leidet aktuell unter einer psychischen Erkrankung. Laut Barmer-Arztreport 2018 sei der Anteil der psychischen Diagnosen bei 18- bis 25-Jährigen allein in den Jahren 2005 bis 2016 um 38 Prozent gestiegen. Depressionen nahmen in diesem Zeitraum bei der Zielgruppe sogar um 76 Prozent zu. Somit leidet statistisch gesehen jeder sechste Student an einer psychischen Erkrankung.

 

Je älter ein Student bzw. eine Studentin, umso größer die Ängste

Auffallend ist, dass ältere Studenten besonders häufig von einer psychischen Erkrankung betroffen sind. Es scheint demnach eine Korrelation zwischen dem Alter des Studenten beziehungsweise der Studentin und der psychischen Verfassung zu geben. Während mit 18 Jahren nur 1,4 Prozent der Studierenden unter einer Depression leiden, sind es mit 28 Jahren bereits 3,9 Prozent. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Ursachen dieser Angststörungen, Depressionen, Minderwertigkeitsgefühlen und weiterer psychischer Erkrankungen während dem Studium liegen vor allem in Existenzängsten begründet und genau diese nehmen zu, je älter die Studierenden sind. Macht Studieren also krank?

 

Welche Gefahren hat ein Studium für die psychische Gesundheit?

Kraftlosigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung beim Lernen während des Studiums aufgrund von Leistungsdruck

Foto: Fotolia.com © Wellnhofer Designs #133708217

Natürlich macht ein Studium nicht prinzipiell krank, dennoch triggert es viele im Menschen verankerte Ängste. Nicht jeder Student und jede Studentin kann damit (auf Dauer) umgehen und so kann sich das Studieren förderlich auf die Entwicklung einer psychischen Erkrankung auswirken. Dass die Zahlen aktuell so stark ansteigen, liegt nämlich nur einerseits in der verbesserten Diagnostik und der höheren Akzeptanz psychischer Erkrankungen in der Gesellschaft, sodass mehr Betroffene den Mut finden, sich Hilfe zu suchen und eine Diagnose stellen zu lassen.

Andererseits liegt die Ursache vermehrt in dem steigenden Zeit- und Leistungsdruck an deutschen Hochschulen sowie Universitäten. Mehr und mehr Studenten leiden unter Existenzangst, welche sie mit anhaltender Dauer des Studiums und zunehmendem Lebensalter immer stärker belasten, bis unter Umständen eine Depression, Angst- oder ähnliche Störung entsteht.

 

Ursachen: Existenzangst als Sammelbegriff

Jeder Mensch leidet unter Existenzängsten. Diese sind als Urinstinkt fest verankert und überlebenswichtig. Wäre da nicht die Angst vor dem Tod, würden viele Menschen waghalsig durch ihr Leben gehen. Zukunftsängste im Sinne der Unberechenbarkeit des Lebens, wie die Angst vor dem Verlust eines geliebten Menschen, stellen die Grundlage des modernen Versicherungssystems und auch der Institution der Ehe dar. Es ist also völlig natürlich, dass der Mensch nach vermeintlicher Sicherheit strebt. Dennoch ist es interessant, den Sammelbegriff der Existenzangst einmal in seine verschiedenen Bestandteile zu zerlegen. Welche Ängste sind es also wirklich, die deutsche Studierende so belasten, dass sie eine halbe Million Betroffene in die psychische Erkrankung treiben?

 

Leistungsdruck

Seit der Einführung das Bachelor-Master-Systems (Bologna-Prozess) im Jahr 2010 ist der Leistungsdruck in vielen Hochschulen sowie Universitäten stetig angestiegen. Mit dem Wissen, dass nur die besten Absolventen anschließend attraktive Stellenangebote erhalten werden, sind sie einem ständigen Konkurrenzkampf ausgesetzt. Dies äußert sich in einer zunehmenden Vereinsamung der Studenten und Studentinnen. Partys, WG-Leben, Freizeit – Faktoren, die früher selbstverständlich zu einem Studium gehörten, werden immer mehr zur Ausnahme. Als Resultat steigen die Zahlen der Studienabbrecher. Rund ein Viertel der Studierenden an deutschen Universitäten geht ohne Abschluss. An Fachhochschulen sind es sogar 39 Prozent. Neben diesem Konkurrenzkampf setzen sich die Studierenden deshalb vermehrt selbst unter Druck. Sie haben hohe Ansprüche an sich selbst, nicht selten zu hoch. Der Anstieg im Leistungsdruck resultiert also sowohl aus inneren als auch aus äußeren Faktoren, das Ergebnis bleibt jedoch dasselbe: Stress, Hektik und die Angst davor, eigene sowie Ansprüche Dritter nicht erfüllen zu können.

 

Zeitdruck

Aufgrund des Bologna-Prozesses steigt auch der Zeitdruck während des Studiums. Langzeitstudierende mit 20 oder mehr Semestern, das ist heutzutage mit den strengen Regularien des Bachelor-Master-Systems nicht mehr möglich. In vielen Fällen gilt: Wer zweimal durch die Prüfung rasselt, ist raus! Wer bis zum vierten Semester kein Praxissemester absolviert hat, ist raus! Wer nach dem fünften Semester nicht das Grundstudium erfolgreich abgeschlossen hat, ist raus! So oder so ähnlich lauten die Studien- und Prüfungsordnungen an vielen Hochschulen und Universitäten. Während temporärer Zeitdruck in der Regel weniger problematisch ist, wird er auf Dauer zum Problem. Zieht sich der Stress also über mehrere Semester bis Jahre hin, kann er zum Auslöser für psychische Erkrankungen wie Panikattacken werden. Dies stellt eine Erklärung dar, weshalb das Risiko einer entsprechenden Diagnose mit zunehmenden Alter der Studierenden steigt.

 

Versagensängste

Angesichts dieser hohen Ansprüche ist es kein Wunder, dass sich immer mehr Studierende überfordert fühlen. Die Angst vor dem „Versagen“, also davor, das Studium überhaupt nicht oder schlechter als gewollt abzuschließen, steigt. Das erhöht wiederum den Druck, die Leistungen verschlechtern sich, die Versagensängste nehmen zu und mit ihnen erneut der Druck, wodurch sich eine Abwärtsspirale bildet, welche geradewegs in die psychische Erkrankung führen kann.

 

Prüfungsangst

Zu diesen Versagensängsten gehört in erster Linie die Prüfungsangst, unter welcher zahlreiche Studierende an deutschen Hochschulen und Universitäten leiden. Dazu gehören sowohl schriftliche als auch mündliche Prüfungen. Auch Vorträge vor den Kommilitonen oder Fremden treiben vielen Menschen Schweißperlen auf die Stirn. Hinzu kommen hohe Anforderungen bei Seminar- und Abschlussarbeiten.

 

Finanzielle Sorgen

Doch damit nicht genug: Immer mehr Studierende müssen trotz BAföG neben dem Studium arbeiten, um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Und selbst, wenn dies aus finanziellen Gesichtspunkten nicht notwendig wäre, entscheiden sich viele Studentinnen und Studenten für den Nebenjob, um in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Berufserfahrung zu sammeln. Diese Doppelbelastung aus Arbeit und Studium frisst zunehmend die verfügbaren Entspannungszeiträume auf und setzt Körper sowie Psyche unter Dauerstress.

 

Zukunftsängste

Gute Noten, eine kurze Studiendauer, mehrere Jahre Berufserfahrung und gut ausgebildete Soft Skills: Es ist kein Geheimnis, dass die Ansprüche an Absolventen auf dem Arbeitsmarkt in den letzten Jahren gestiegen sind. Dem Fachkräftemangel zum Trotz, haben Studierende in den meisten Branchen sowie Fächern nach wie vor Angst, diese Ansprüche nicht erfüllen zu können und dadurch keinen oder zumindest keinen attraktiven Job zu finden. Die Angst vor einer Arbeitslosigkeit steigt und damit auch wieder das bereits erwähnte Konkurrenzdenken mit der daraus resultierenden Vereinsamung während des Studiums. Auch hier entsteht demnach eine gefährliche Abwärtsspirale, die zur psychischen Erkrankung führen kann. 

 

Gesundheitliche Sorgen

Neben solch allgemeinen Zukunftsängsten spielen auch gesundheitliche Sorgen häufig eine Rolle. Spätestens, wenn sich erste Beschwerden einer Depression, einer Angststörung oder anderen psychischen Diagnosen bemerkbar machen, ziehen diese häufig die Angst nach sich, zukünftig nicht am Arbeitsmarkt bestehen zu können. Schließlich sind psychische Erkrankungen eine der häufigsten Ursachen einer Arbeitsunfähigkeit. Eine Arbeitsunfähigkeit oder sogar Berufsunfähigkeit durch Krankheit kann unter Umständen den Job kosten oder eine Lücke in den Lebenslauf reißen, welche die Arbeitssuche anschließend erschwert. Zudem kann es für Studenten mit psychischer Erkrankung schwierig werden, eine Versicherung für den Fall einer Berufsunfähigkeit abzuschließen, sodass ein Leben von Sozialhilfe droht. Eine Perspektive, die in einer ohnehin schwierigen Situation oft noch zusätzlich belastet.

 

„Quarterlife Crisis“

studentische Beratungsstellen und Therapeuten können Studierende bei psychischen Belastungen und Störungen weiterhelfen

Foto: Fotolia.com © WavebreakMediaMicro #109053148

Zuletzt ist die Studienzeit auch eine Zeit des Umbruchs. Der Auszug aus dem Elternhaus, eventuell eine neue Stadt, neue Freunde, neue Anforderungen in der Universität oder Hochschule, zu kaum einem anderen Zeitpunkt im Leben ändern sich die äußeren Umstände so schnell und drastisch wie zum Studienbeginn. Gerade in den 20ern befinden sich viele Studierende inmitten ihrer „Quarterlife Crisis“. Die Eingewöhnungsphase ist dank Bachelor-Master-System häufig zu kurz oder sie zweifeln an ihrer Studienwahl, schließlich ist der Beruf eine Entscheidung für das ganze Leben. Es ist daher typisch, dass sich an einem solchen Wendepunkt eine Krise entwickelt und mit ihr auch Angststörungen, Panikattacken, Depressionen oder andere psychische Erkrankungen.

Schlussendlich gibt es also viele Gründe, welche im Studium zu Existenzängsten in ihren unterschiedlichen Ausprägungen und damit auch zu psychischen Diagnosen führen. Allein das Wissen darum, mit diesen Ängsten nicht alleine zu sein, kann bereits Trost bedeuten. Glücklicherweise finden zudem immer mehr Studierende den Mut, sich rechtzeitig professionelle Hilfe zu suchen, anstatt das Studium ohne Abschluss zu beenden.

 

Der Artikel entstand in Kooperation mit der externen Redakteurin Aline Schommer.

Titelbild: Fotolia.com © contrastwerkstatt #48136430

 

Heilende Hände: Eine Anleitung zum Strömen

Heilende Hände: Eine Anleitung zum Strömen

Einige nennen es heilende Hände oder Impuls-Strömen, andere nur Strömen, wiederum andere Handauflegen. Die alte japanische Heilkunst nennt es Jin Shin Jyutsu, nach Jiro Murai. Diese Glaubenssysteme und Disziplinen haben eines gemeinsam: Sie nutzen die Hände und die Energie, um sich und andere zu heilen, körperliche Beschwerden zu vermindern, Denkmuster durch heilsam erfahrene Berührungen oder Blockaden aufzulösen. In Österreich wird es sogar von den Krankenkassen als Methode anerkannt. Doch streng genommen benötigt man für das Strömen eine Hand, aber keinen Arzt, Heiler oder anderweitig Heilenden, der dir zu helfen vermag. Jede klassische Behandlung wird unnötig; man braucht nicht einmal eine heilende Gabe. Beim Strömen arbeiten wir nur mit unserer eigenen Energie. Dabei spielt es keine Rolle, ob du dich gerade in einer selbstzweifelnden Zeit befindest oder es dir gutgeht. Die heilende Energie ist in dir, egal, was dein Ego dir sagt.

Mir fiel auf, wie selbstverständlich wir im Alltag unsere Hände nutzen, eben meist für andere, aber selten für uns:

  • Du legst jemandem die Hand auf die Schulter und zeigst ihm so: Ich fühle mit dir.
  • Du legst jemandem die Hand auf den Rücken und zeigst ihm so: Ich stärke dich. Ich halte dir den Rücken frei.
  • Du legst deine Hand in den Nacken und auf die Schulter, wenn du verspannt bist, um Entspannung herbeizuführen.
  • Bei deinem Partner legst du unbewusst deine Hand auf die Brust (die Herzregion) und zeigst ihm so: Ich liebe dich. Ich gebe dir Liebe. Ich fülle dein Herz.
  • Wir streicheln liebe Menschen und zeigen ihnen so: Ich bin bei dir. Du bedeutest mir viel. Ich will dir nahe sein.
  • Wir streicheln Tiere und Kinder und zeigen ihnen so: Du bist niedlich, süß, liebenswürdig, wertvoll.
  • Wir reichen jemandem die Hand, um ihn zu unterstützen, ihm zu zeigen: Du bist nicht allein.
  • Wir schütteln uns die Hände, um jemandem zu zeigen: Ich schätze dich.

Du siehst: Die Hände kommen überall, wenn auch unbewusst, zum Einsatz, wann immer wir Liebe geben, brauchen oder fühlen. Diesen Ansatz kannst du auch für dich selbst nutzen, denn „Wenn die Hände beschäftigt sind, schweigt der Geist und warme Hände wärmen die Seele“, sagt ein Sprichwort.

 

Sich selbst heilen durch Strömen: Wie ich dazu kam

Ein russisches Sprichwort sagt: „Die Hände sind es, die das Glück schaffen und den Kummer vertreiben.“ Wenn man sich selbst lieben kann, kann man sich auch selbst heilen.

Wenn ich mich an meine sorgenvollen Zeiten erinnere, in denen es mir schlecht ging, in denen mich jene Sorgen, die einen am Schlafen hindern und Kopf- oder Magenschmerzen bereiten, plagten, legte ich ab einem bestimmten Zeitpunkt unbewusst, intuitiv, meine Hand auf die Stelle: sei es auf meinen Kopf, der ratterte, weil ich verzweifelt nach Lösungen suchte und mögliche Wege durchspielte oder sei es bei Beschwerden des Körpers, bei denen ich meine Hände auf meinen Bauch legte oder in den Nacken. In Zeiten der Angst legte ich meine Hand auf mein Herz. Das alles machte ich wohl, wie alle Menschen es täten, wenn sie Schmerz fühlen. Wir legen automatisch unsere Hand auf die schmerzende Stelle, geben uns Halt, halten uns selbst fest.

Mir kam der Gedanke: Was wäre, wenn man diesen Automatismus bewusst durchführen würde und für längere Zeit? Ich wusste nicht, dass es bereits Methoden gab, die sich intensiv damit auseinandergesetzt hatten, es zu einer eigenen Kunst gemacht hatten. Diese lässt sich jedoch auch für die Heilung des Selbst nutzen. Man benötigt keinen Dritten: Man ist sein eigener Heiler.

So verwechseln viele Strömen mit Reiki. Während man bei Reiki die Hände nicht auf den Körper legt, ist beim Strömen der direkte Körperkontakt nötig und nützlich. Doch einige traditionelle Anwendungen des Strömens berühren, wie im Reiki, ebenso wenig, sondern halten einen kleinen Abstand zum Körper.

 


„Der Mensch enthält in sich alles Wissen und alle Weisheiten, die zur Heilung erforderlich sind.“

-Paracelsus


 

Ich las zufällig im Buch Burnout (mit CD): Neue Kraft schöpfen, man könne mithilfe von Lavendelöl Ruhe herbeiführen und, auf sein Herz verrieben, durch die wohlige Wärme in der Herzregion, Entspannung und innere Ruhe fördern. Als ich das einer Freundin erzählte (sie ist Physiotherapeutin), meinte sie nur platt: „Also sich selbst berühren, ja“, nickt sie.

Auch eine andere Freundin kannte das Strömen von ihrer Großmutter, die sie immer anhielt, das auch auszuprobieren. Also dachte ich: Gut. Ist einen Versuch wert! und sammelte Informationen.

 

Wie Strömen durchgeführt wird

Strömen bedeutet nicht mehr, als dass durch unsere Hände Energie strömt – dorthin, wo sie liegen/sind. Durch das Auflegen seiner Hände auf bestimmte Körperregionen können wir mit unserer Energie Schmerzen lindern. Im Jin Shin Jyutsu geht man beispielsweise von 26 „Energieschlössern“, also Körperstellen, aus, die durch Berührung mit den Händen aktiviert werden können. Auch durch das sogenannte Fingerströmen, eine noch viel unauffälligere Variante für draußen, lassen sich positive Emotionen auslösen. Diese Methode lässt sich überall nutzen, ist ortsunabhängig und kostenfrei: im Bus, in der Bahn, in der Warteschlange, im Kino, im Meeting oder wo auch immer.

Man nutzt seine Selbstheilungskräfte und bringt so blockierte Energie wieder zum „Strömen“. Blockaden, die durch (Basis)Emotionen wie Ärger, Traurigkeit, Wut und Angst entstanden sind, lassen sich so auflösen. Aber auch unsere Umwelt hat seine Wirkung auf unseren Körper und unsere Energie oder Energielosigkeit. Wenn man sich Verstimmungen, leichte depressive oder deprimierte Phasen und die damit verbundene Leere ansieht, kann man Strömen als Methode betrachten, um sich selbst wieder zu füllen. Mit eigener Körperenergie, die in uns schlummert. Dabei werden jedem Finger Denkmuster bzw. Gefühle zugeordnet, die durch Strömen ausgeglichen werden können:

Heilende Hände

 

Die Anwendung ist denkbar einfach:

1 – Bei Sorgen: Deine Daumen richten sich zueinander und mit der Handfläche umschließt du ihn (als würdest du an ihm ziehen). Du hältst ihn solange, bis du Ausgleich spürst.

2 – Bei Angst: Wieder richtet sich dein Daumen der haltender Hand zum Zeigefinger und mit der Handfläche umschließt du ihn (als würdest du an ihm ziehen). Es ist leichter, wenn der Daumen der haltenden Hand in der Handfläche des gehaltenen Fingers ruht.

3 – Bei Wut und Ärger: siehe 2, nur mit dem Mittelfinger

4 – Bei Traurigkeit und Kummer: siehe 2, nur mit dem Ringfinger

5 – Bei Liebes“mangel“, -kummer und Freudlosigkeit: siehe 2, nur mit dem kleinen Finger

6 – Bei mangelndem Selbstvertrauen: Mit dem Daumen die Handfläche leicht drücken oder aber mit der gesamten Hand halten (wie beim Händchenhalten).

 

Heilende Hände gegen Grübeln, angeschlagenen Selbstwert oder innerer Leere, Spannungs- oder Druckkopfschmerzen und Panik

Wie ich weiter oben bereits erwähnte, kann man Strömen auch bei Einschlafenschwierigkeiten nutzen, um Grübeln, Sorgen oder Traurigkeit abzustellen. Du legst einfach eine Hand auf deinen Kopf und die andere auf eine Stelle deines Körpers, der sich okay anfühlt. Die Überbelastung wird durch die andere Stelle ausgeglichen.

Auch mit dem Herzen lässt sich das machen: Lege deine Hand auf dein Herz und atme ruhig ein und aus. Stelle dir, wenn du magst, als unterstützendes Mittel, vor, wie die Energie deiner Hand in dein Herz hineinströmt. Die Methode aus dem Buch Burnout (mit CD): Neue Kraft schöpfen mit dem Lavendelöl kann ich dabei nur empfehlen.

Lust auf mehr Strategien zur Bewältigung der kleinen und großen Herausforderungen des Lebens?

Janett Menzel intuitives Coaching Berlin2Hallo! Falls du mich noch nicht kennst, möchte ich mich dir gern vorstellen: Ich bin Janett Menzel, Inhaberin dieses Blogs. Ich litt jahrelang an verschiedenen Ängsten (wie wir alle) und beizeiten sogar unter Panikattacken und Burnout-Symptomen. Mir blieb nichts weiter übrig, als mir selbst zu helfen. Also folgten verschiedene Ausbildungen (Coaching, Schreibtherapie, Autogenes Training, Betriebliches Gesundheitsmanagement usw.), die ich später meinen Klientinnen und Klienten und heute meinen LeserInnen vermittele. In meinem aktuellen Projekt "Ein Gefühl namens Dieter" vereine ich alle diese Strategien. Es ist kein Onlinekurs, sondern viel mehr als das: ein niemals endendes Buch, online und interaktiv, ausgestattet mit verschiedenen Audios, Anleitungen zu Strategien, Arbeitsblättern, Meditationen, Entspannungstechniken und vieles mehr. Das Highlight daran: Es kommen monatlich neue Strategien hinzu. Und du darfst es mitgestalten. Denn als Autorin mehrerer Ratgeber leide ich unter dem Aspekt, nachträglich nichts weiter in meine Bücher einfügen zu können. Also entwickelte ich dieses neue Format, das ich heute "Kapitel des Lebens" nenne.

Es soll die größte Bibliothek an Selbsthilfestrategien werden, ein Almanach an Wissen für die kleinen und großen Herausforderungen des Lebens. Fällt dir das Leben manchmal auch schwer? Wünschtest du, einfach irgendwo nachschlagen und lesen zu können, was du ausprobieren könntest?

Dann ist "Ein Gefühl namens Dieter" vielleicht genau das Richtige für dich. Noch ist der Einstieg mit einem Festpreis geregelt. Doch bald, mit zunehmender Anzahl der Strategien, werde ich auf monatliche Beiträge setzen müssen, um meine Arbeit zu würdigen und der Idee dienen zu können - dass Menschen wie du Zugang zu möglicher Selbsthilfe haben, wann immer sie welche brauchen.

Hast du Lust, dabei zu sein? 

Hier kannst du mehr darüber erfahren >> (Weiterleitung)

Ein Gefühl namens Dieter Bewältigung von schwierigen Gefühlen und Lebenssituationen Janett Menzel

 

Verzeihen lernen mit dem hawaiianischen Vergebungsritual Ho’oponopono

Verzeihen lernen mit dem hawaiianischen Vergebungsritual Ho’oponopono

Der nachfolgende Text ist eine Strategie aus meinem Nicht-Onlinekurs „Ein Gefühl namens Dieter – Meine wirksamsten Selbsthilfestrategien gegen belastende Gefühle und Lebenssituationen“: 

Heilt Zeit wirklich alle Wunden? Besonders emotionale Verletzungen lasten lange und schwer auf Menschen: Trennungen, Verluste und Enttäuschungen lassen uns mit dem Gefühl von Wut und Trauer zurück. Am Ende eines Lebens können alle Menschen Zettel voll mit Namen von Personen schreiben, denen man bis dato nicht verzeihen konnte. Um seine Seele zu entlasten, jede Schuld, alle Fehler, Kränkung und Enttäuschung zu vergeben, üben die Hawaiianer seit Jahrtausenden ein Vergebungsritual, dass Verzeihen lernen ermöglicht: das Ho’oponopono. 

 

Verzeihen lernen mit Ho’oponopono

Diese Woche las ich ein kleines und sehr positives Buch von Ulrich Emil Duprée: Ho’oponopono. Das hawaiianische Vergebungsritual. Der Inhalt des Büchleins ist einer uralten Tradition der Hawaiianer gewidmet, die zu einem ebenso alten System namens Huna gehört (Hu = Wissen, Na = Weisheit). Nach Huna offenbare sich Weisheit, „indem man tut, was man weiß“. (vgl. S. 9)

Das Vergebungsritual, das ich dir vorstellen möchte, lässt die übliche Ohnmachtserfahrung aus Hilflosigkeit und Enttäuschung zurück und ermöglicht dir so, durch Wissen in Form von Erkenntnis, verzeihen lernen zu können. Es lädt dich ein, dich trotz einer leidvollen Erfahrung zu lieben, und ermöglicht, dass der verletzte Teil, verstopft mit bitteren Gefühlen und Urteilen, geheilt wird. Natürlich wird dadurch nichts ungeschehen und der Mensch, der dich gekränkt und verletzt haben mag, ändert sich ebenso nicht. Doch beim Ritual geht es um deine Interpretation und der Entmächtigung dieser:

„Ich reinige die unbewussten Daten meiner Wahrnehmung…“ (Dr. phil. Ihaleakala Hew Len, hawaiianischer Meisterlehrer)

 

Was ist Ho’oponopono? Wie kann man damit verzeihen?

Ho’oponopono (sprich: ho-o-pono-pono) bedeutet Ho’o („etwas tun“) und pono („etwas ausgleichen“,„etwas korrigieren“, „in Ordnung bringen“). ponopono als Verdoppelung weist auf die Intensität des Rituals hin.

Für die amerikanische Ärztin Dr. Erika Haertig stellt Ho’oponopono „die effektivste Problem- und Konfliktlösungsmethode, die je in einer Kultur ersonnen wurde“  (vgl. S. 21) dar. Sie ermöglicht es Menschen, verzeihen zu lernen und Vergebung zu üben. Auch sich selbst.

Ho’oponopono ist ein Ritual zur Reinigung von

  • Angst
  • Kummer
  • Sorgen
  • alten Glaubensmustern
  • und mit Ho'oponopono verzeihen lernenhinderlichen Verhaltensmustern.

Diese sperren Wachstum und Selbstfindung aus, weshalb es wichtig ist, dass sie korrigiert bzw. in Ordnung gebracht werden. Sonst blockieren sie nicht nur unseren Geist, sondern auch unseren Körper und lösen Stress, Angst, und anhaltende Sorgen aus, die sich in Magen-Darm-Problemen, Sorgenfalten, traurigem Blick in den Augen, Schwäche, Müdigkeit, Lethargie, Sinnlosigkeit, mangelnder Konzentrationsfähigkeit und Durchhaltevermögen sowie Durchsetzungsvermögen auswirken. So erreichen wir weder Fülle noch Glück, keine Zufriedenheit in Beziehung und Familie, Job und Alltag. So blockieren wir uns lediglich selbst.

Ho’oponopono aber geht davon aus, dass die Welt voll ist mit Gutem und dass die Welt uns nur Gutes will. Ho’oponopono fußt also auf Urvertrauen, was oft in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn wir enttäuscht werden oder jemand uns verletzt. Häufig sind es sogar wir selbst, die sich verletzen, weil wir uns etwas nicht (zu)trauen, uns vor der Konfrontation, Verlust und Trennung fürchten und daher auch vor dem möglichen Glück eines besseren Ausgangs. Wir interpretieren bereits im Vorfeld Schlimmes in viele Situationen und haben Angst vor der Angst, dass das Schlimme wahr werden könnte:

„Es ist das Festhalten an Ängsten und Sorgen, an Vorurteilen, an Zweifeln und dem negativen Massenbewusstsein, das uns daran hindert, unsere Vollkommenheit zu erleben.“ (vgl. S. 14)

Ho’oponopono ist damit Mut, (Selbst-)Erkenntnis, Bedingungslosigkeit, (Selbst-)Liebe, Vergebung und Verzeihung in Verbindung mit Dankbarkeit. 

Es kann problemlos ohne Partner durchgeführt werden, auch wenn die ursprüngliche Form des Ho’oponopono auf mehreren Personen als Teilnehmer fußt.

 

So funktioniert Vergebung mit dem Ritual Ho’oponopono

verzeihen lernen mit der hawaiianischen traditionEinige Voraussetzungen müssen gegeben sein, um Ho’oponopono wirksam und nachhaltig zu gestalten: Zuerst muss man sich mit dem Urzustand, der Fülle, verbinden. Danach betrachtet man das Problem und akzeptiert es, bevor man die volle Verantwortung für das Dasein des Problems übernimmt. Anschließend erklärt man sich bereit, sich nach dem Ritual anders im weiteren Leben zu verhalten, bevor man vergibt (sich selbst und anderen Beteiligten). Zum Schluss lässt man los und dankt.

Das vereinfachte Vergebungsritual folgt vier Hauptsätzen, die laut ausgesprochen werden:

  1. Es tut mir leid.
  2. Bitte verzeihe mir.
  3. Ich liebe dich.
  4. Danke.

Diese Sätze erscheinen abstrus, wenn man selbst der Mensch ist, der verletzt wurde. Doch es geht um die Gedanken und Werturteile, um das, was wir meinen, verdient zu haben und das, was uns fälschlicherweise vorenthalten wurde. Wenn wir betrogen wurden, ist es nicht nur der Partner, dem wir sein Verhalten vergeben, sondern auch uns und dem, was wir (uns) vorwerfen. Es geht um die negativen und böswilligen, einseitigen und verletzenden, aber auch liebenden und akzeptierenden Anteile in uns, die eine Vergebung und damit Heilung alter Wunden ermöglichen. Es geht darum, uns, der Situation, einem Verhalten und einem Menschen zu verzeihen.

„Bevor die Sonne untergeht, vergib.“
Hawaiianisches Sprichwort

Gleich, ob es dein Vorgesetzter ist, der dich schlecht behandelt oder ob es deine Partnerschaft ist, die einseitig und unglücklich verläuft: Ho’oponopono öffnet, heilt und schließt die Lücke, die Barrieren und schwelende Konflikte zur Folge hatte. Wir waren anwesend, als die Situation stattfand, und so müssen wir auch uns verzeihen, mit der Wut, die wir auf uns haben, oder der Traurigkeit, die wir nicht fühlen wollten.

 

So gehst du vor

Nimm dir eine Person, die dich verletzt hat und sprich im Geiste (als stünde diese Person vor dir) die obigen Sätze. Du wirst merken, dass es von Satz zu Satz schwieriger wird. Es erscheinen vielleicht Blockaden (in Form von Wut, Traurigkeit, Scham, Angst, Ekel), jene Gefühle, die uns auch sonst daran hindern, das Gute zu sehen bzw. das Schlechte in uns anzuerkennen. Doch mit einiger Wiederholung und Offenheit wird es machbar, leichter und leichter. Zum Schluss haben viele das Gefühl, dass es in dem Schlechten tatsächlich etwas Gutes gab und wir alle irgendwann Fehler gemacht haben.

Zum Schluss haben wir uns und anderen verziehen.

Buchempfehlungen

Das Wunder der Vergebung: Ho’oponopono – das hawaiianische Ritual für inneren Frieden
Ho’oponopono und Familienstellen: Beziehungen verstehen, in Liebe vergeben, Heilung erfahren
Aloha – Gelebte Liebe und hawaiianische Huna-Philosophie
Ho’oponopono und Klopfen – Wunder durch Verbindung und Vergebung
Aloha Karten – Kraft schöpfen aus der Quelle des Hawaiianischen Schamanismus – 56 Karten mit Begleitbuch

Lust auf mehr Strategien zur Bewältigung der kleinen und großen Herausforderungen des Lebens?

Janett Menzel intuitives Coaching Berlin2Hallo! Falls du mich noch nicht kennst, möchte ich mich dir gern vorstellen: Ich bin Janett Menzel, Inhaberin dieses Blogs. Ich litt jahrelang an verschiedenen Ängsten (wie wir alle) und beizeiten sogar unter Panikattacken und Burnout-Symptomen. Mir blieb nichts weiter übrig, als mir selbst zu helfen. Also folgten verschiedene Ausbildungen (Coaching, Schreibtherapie, Autogenes Training, Betriebliches Gesundheitsmanagement usw.), die ich später meinen Klientinnen und Klienten und heute meinen LeserInnen vermittele. In meinem aktuellen Projekt "Ein Gefühl namens Dieter" vereine ich alle diese Strategien. Es ist kein Onlinekurs, sondern viel mehr als das: ein niemals endendes Buch, online und interaktiv, ausgestattet mit verschiedenen Audios, Anleitungen zu Strategien, Arbeitsblättern, Meditationen, Entspannungstechniken und vieles mehr. Das Highlight daran: Es kommen monatlich neue Strategien hinzu. Und du darfst es mitgestalten. Denn als Autorin mehrerer Ratgeber leide ich unter dem Aspekt, nachträglich nichts weiter in meine Bücher einfügen zu können. Also entwickelte ich dieses neue Format, das ich heute "Kapitel des Lebens" nenne.

Es soll die größte Bibliothek an Selbsthilfestrategien werden, ein Almanach an Wissen für die kleinen und großen Herausforderungen des Lebens. Fällt dir das Leben manchmal auch schwer? Wünschtest du, einfach irgendwo nachschlagen und lesen zu können, was du ausprobieren könntest?

Dann ist "Ein Gefühl namens Dieter" vielleicht genau das Richtige für dich. Noch ist der Einstieg mit einem Festpreis geregelt. Doch bald, mit zunehmender Anzahl der Strategien, werde ich auf monatliche Beiträge setzen müssen, um meine Arbeit zu würdigen und der Idee dienen zu können - dass Menschen wie du Zugang zu möglicher Selbsthilfe haben, wann immer sie welche brauchen.

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Ein Gefühl namens Dieter Bewältigung von schwierigen Gefühlen und Lebenssituationen Janett Menzel

 

Was du dir mit unverarbeitetem Leid, Angst & Kummer antust: Eine Übung

Was du dir mit unverarbeitetem Leid, Angst & Kummer antust: Eine Übung

 

Hast du dir etwas zu vergeben? Hängst du dich gern an Perfektionismus auf oder leidest unter innerer Hektik, Lähmung, Blockaden? Hast du jemandem zu verzeihen? Willst du dich von Zwängen befreien? Schiebst du Dinge vor dir her, wie zum Beispiel eine Angst zu überwinden oder überfällige Arzttermine, einem potenziellen Partner neu zu vertrauen, Veränderungen herbeizurufen oder endlich den einen Schritt in Richtung Lebenstraum zu wagen, von dem du schon so lange träumst? Die nachfolgende Selbstcoaching-Übung ist so simpel und gleichzeitig so brutal, dass sie wirklich schmerzen könnte. Sie ist eine Übung von vielen in „Ein Gefühl namens Dieter“, meinem neuesten Nicht-Onlinekurs, die an die Materie gehen. Und das sage ich nicht nur so daher.

Mach die Ei-Übung und lerne, dir

  • a) zu vergeben
  • b) die Ruhe zu bewahren und
  • c) endlich für dich zu handeln.

 

Wieso wir so ungern Altes loslassen, verarbeiten und es stattdessen lieber verdrängen

Nimm endlich dein Leben in die Hand tu es jetztEwig grübeln, uns wieder die Schuld geben, wieder dem anderen dasselbe wie immer vorhalten, wieder nichts tun und uns später ärgern, wieder nicht auf den Tisch zu hauen, sondern still bleiben, wieder lieber Angst als Grund nehmen, um etwas nicht zu tun, statt für uns und unser Wohlergehen einzustehen. Das tun wir deshalb, weil die Zukunft und der Ausgang einzelner Situationen so ungewiss sind, weil wir lieber ewig ertragen, statt einmal zu handeln – mit dem 1. Schritt. Wir verharren leider so in Situationen, die uns selten guttun. Wir werden selbst zur Stagnation, zur Blockade.

Wir tun uns damit bewusst oder unbewusst „Sachen“ an, die wir in Wirklichkeit – wenn die Ausmaße der Destruktion sichtbar würden – nie tun würden. Aber da wir „nur“ Gefühlsreaktionen wahrnehmen, keine Schränke kaputt geschlagen oder Fenster zerstört haben, keine Autos demoliert haben und uns nicht das Herz haben „zerreißen“ lassen (im wahrsten Sinne) oder uns kein Bein ausgerissen haben (in Wahrheit), nehmen wir nur sprachliche Metaphern und Symbole für unsere Gefühle wahr:

  • Wir sind kaputt.
  • Etwas hat uns kaputtgemacht.
  • Unser Herz wurde gebrochen.
  • Etwas hat uns den Boden unter den Füßen weggerissen.
  • Wir sind gelähmt vor Schmerz und Kummer.
  • Wir vermissen jemanden so sehr, dass wir das Gefühl haben, nicht komplett zu sein.
  • Wir haben uns so sehr bemüht, uns geopfert, uns ein Bein ausgerissen.
  • Uns läuft die Galle über.
  • Etwas geht uns an die Nieren.
  • Wir tragen ein schweres Kreuz.
  • u. v. m.

Das alles sind Beispiele für unsere bildgewaltige Sprache Deutsch. Aber sie visualisieren nichts, sie beschreiben lediglich ein Gefühl. In Wahrheit fühlen wir uns nur so, als ob … uns etwas angetan wurde. Jemand handelte nicht zu unserem Wohl und wir leiden darunter, teilweise jahrelang. Doch SEHEN – mit eigenen Augen –, was in uns wie ist, können wir nicht. Und deshalb fällt es so viel leichter, etwas einfach nicht zu tun. Würden wir das Ausmaß unserer Nichttaten sehen und in seiner Wucht wahrnehmen, wäre das anders. Dann würden wir handeln. AUSFÜHREN – mit eigenen Händen –, um unserem Leid ein Ende zu setzen.

 

Ein Ei zeigt dir, was du dir antust, wenn du nicht für dich handelst

Bei der Ei-Übung – ein bekanntes Coaching-Tool, das so und ähnlich für viele Zwecke des Reifens und Erwachens verwendet wird – wird dir etwas Neues abgerungen: Du darfst dir dabei anschauen, was du mit dir machst. Es zeigt dir, was geschieht, wenn du etwas Lebendiges (dich und deine Gefühle, dein Leben) einfach so geschehen lässt. Die Ei-Übung ist auch dann wunderbar, wenn du endlich

  • den Termin machen willst, den du schon ewig vor dir herschiebst
  • jemanden anrufen willst, bei dem du dich zu lange nicht mehr gemeldet hast
  • dich entschuldigen möchtest
  • etwas in Angriff nehmen möchtest, z. B. Bewerbungen für eine neue Stelle schreiben, einem Verein beitreten oder dich auf einer Datingplattform anmelden
  • endlich mal wieder ins Fitnessstudio gehen möchtest
  • deine Ernährung umstellen willst
  • ein gutes Buch lesen willst
  • allein etwas unternehmen willst
  • deine Wohnung auf Vordermann bringen
  • oder ein Gehaltsgespräch mit deinem Vorgesetzten führen willst
  • usw.

Die Ei-Übung wird dir zeigen, wie schwer es dir in der Wirklichkeit fallen würde, Kaputtes, Unverarbeitetes und Unerledigtes hinzunehmen, vor dir herzuschieben und dich nicht weiter darum zu kümmern – nur weil Verdrängung leichter erscheint. Sie funktioniert wie ein Timer. Wie oft geschieht uns etwas, das wir nicht verarbeiten, was weiter in uns schwelt, aber trotzdem tragen wir keine Sorge für die Beseitigung des Schmerzes, der liebevollen Fürsorge für unser Inneres. Auch wer schon Fehler anderen gegenüber gemacht hat (also wir alle), wird wissen, wie schwer es fällt, ihn zuzugeben oder zu korrigieren. In uns selbst und uns selbst gegenüber: Da sind wir meistens ignorant und steinhart. Wir lassen die Gefühle einfach liegen, denken immer einmal wieder über Monate, Jahre und Jahrzehnte darüber nach und dann … tun wir lange nichts. Wir warten ab.

 

Und so funktioniert die Ei-Übung

Du benötigst für diese Übung – Überraschung! – mindestens ein Ei: klein, mittelgroß, groß, Bio oder nicht Bio ist egal. Begib dich an einen Ort, an dem du eine abwischbare Fläche hast, zum Beispiel der Küchenboden mit Laminat/Linoleum, die Arbeitsfläche deiner Küche, das Fensterbrett, ein Regalbrett.

Nimm das Ei und wirf es auf diese Fläche. Höre es klatschen und sieh, wie es zerbricht, wie die Schale aufplatzt und sich das Innere auf der Fläche ergießt. Nun verlasse diesen Raum, ohne irgendetwas zu tun. Lass das kaputte Ei dort, wo es ist. Erst einmal wird nichts mit dem Ei geschehen. So wie mit deinen verletzten oder aufkommenden Gefühlen nichts geschieht, wenn du keine Sorge dafür trägst. 

Warte einen Tag, oder wenn du es durchhältst (und das ist gar nicht so leicht), mehrere Tage. Sieh, was mit dem Ei geschieht. Es wird verfaulen, stinken und bald schon wirst du dich fragen, ob du Besuch in deine Wohnung einladen solltest oder ob du morgen früh ein paar neue Maden-Freunde in deiner Küche begrüßen kannst. Du wirst den Drang, dieses faulende Ei wegzuwischen, um dich über die klare, saubere Fläche zu freuen und Erleichterung zu verspüren, kaum unterdrücken können.

Doch die Kür bei dieser Strategie ist, mit dem verfaulenden Ei genauso umzugehen wie mit deinen verletzten Gefühlen, die du ignorierst oder verdrängst. Unweigerlich wird der Punkt kommen, an dem du nicht mehr anders kannst, als einen Lappen zu nehmen und alles wieder schön zu putzen. Wenn du an diesem Punkt bist: Denke daran, dass das faulende Ei deine Wunden darstellt, um die du dich genauso kümmern solltest wie um das Ei in deiner Küche. Übernimm die Verantwortung für deine Gefühle und für alles, was in dir vor sich hinrottet. Auch in dir darf alles klar und sauber sein.

Wenn du diese Übung durchhältst, wird sich ein Raum der Zeit öffnen. Wenn du dich dann entschließt, es wegzuwischen, verarbeitest du symbolisch das Gefühl, das du transformieren willst. Du beschließt in diesem Moment des Säuberns, dass nun SCHLUSS ist mit dem, was dich lähmt. Du überwindest und reinigst dich, während du dich selbst angehalten – ja gezwungen hast – endlich zu tun, was schon so lange überfällig war.

 

Ein Gefühl namens Dieter

Ein Gefühl namens Dieter Bewältigung von schwierigen Gefühlen und Lebenssituationen Janett MenzelLust auf mehr? Meine Nicht-Onlinekurse, die ich Kapitel des Lebens nenne, aktualisiere ich monatlich mit vielen neuen Impulsen zum einmaligen Preis. Somit ist es ein nicht endendes Buch, ein Almanach an Strategien und Techniken für die kleinen und großen Herausforderungen des Lebens, untermalt mit Audios, Arbeitsblättern, Entspannungstechniken und Trick 17-Methoden zur Überwindung (selbst) auferlegter Hürden.

Bis um 23:59 Uhr des 2. Mai 2018 biete ich allen meinen LeserInnen einen 50 Prozent-Rabatt mit diesem Gutscheincode an: Mai50Dieter 

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Introversion: Sind introvertierte Menschen unsozial? Nein. Nur introvertiert.

Introversion: Sind introvertierte Menschen unsozial? Nein. Nur introvertiert.

 

Ich liebe Zeiten des Alleinseins. Am Wochenende mal nicht unterwegs zu sein, sondern mit einem guten Buch oder Film die Zeit zu verbringen. Ausspannen, entspannen, Frieden und Verbindung zu mir selbst spüren. Ist das unsozial? Nein. Nur introvertiert. Mich kümmert die Umwelt und ich liebe es, allein in der Natur zu sein, allein am Meer zu sitzen, allein spazieren zu gehen, am liebsten dort, wo niemand sonst ist. Um mit mir zusammen zu sein. Ich will dort keine Gesprächspartner. Bin ich deshalb ein Menschenhasser? Nein. Nur introvertiert. So ist das eben mit Introversion.

Ich habe mit Menschen nur ein Problem, wenn sie unnötig laut sind und mir im wahrsten Sinne des Wortes auf die Nerven gehen. Am liebsten sind mir leise Menschen. Deshalb lege ich mich auch nicht in überfüllte Berliner Parks, wo niemand so recht seinen Platz hat, wo man kaum mehr sein eigenes Wort versteht oder sich nicht ausruhen kann. Deshalb kann ich Flüge nicht leiden, weil meistens kreischende Personen mitfliegen. Ich brauche manchmal einfach Stille. Menschen, die unnötig laut sind, unnötig Aufmerksamkeit wollen oder sich um die Bedürfnisse anderer nicht so kümmern, sind in meinen Augen rücksichtslos. Unnormal? Nein. Nur introvertiert.

Ein Plädoyer für die Introversion, bestückt mit meinen Erfahrungen und Erkenntnissen. Vielleicht helfen sie auch dir!?

 

Introvertierte Menschen sind zwar anders, aber keineswegs schlechter als extravertierte

Introvertierte Menschen sind zwar anders, aber keineswegs schlechter als extravertierteViele extravertierte Menschen rollen über introvertierte Menschen die Augen. Nicht nur im Beruf, auch bei der Partnersuche, scheiden sich hier zumeist die Geister. Mittlerweile hat sich zwar der Begriff „ambivertiert“, also die Mischung aus beiden, etabliert. Aber das hat leider wenig an den Vorurteilen und Bewertungen geändert. Witzigerweise kommen die immer nur von den extravertierten Menschen.

  • „Sei nicht so sensibel.“
  • „Geh doch mal mehr unter Menschen.“
  • „Geh mehr raus.“
  • „Sei nicht so unsozial.“
  • Sei nicht dies, sei nicht jenes.

Ich habe mir in den letzten Monaten schon fast angewöhnt, zu ihnen zu sagen: „Sei nicht ständig unter Menschen.“ „Lerne doch mal, allein zu sein.“ „Schenke dir doch mal selbst die Aufmerksamkeit, die du dir wünschst.“ Aber ich werde komisch beäugt. Sie glauben noch immer, dass ich das gesellschaftliche Problem sei.

„Ich finde, dass meine Art richtig ist und du bist falsch, wenn du nicht so bist. Also ändere dich“, schreien sie innerlich.

Was sie aber nicht verstehen, ist, dass sich introvertierte Menschen nicht nur nicht ändern können. Ihre Gehirne sind anders strukturiert. Sie wollen sich auch in den meisten Fällen gar nicht anpassen. Sie sehen keinen Sinn darin.

Ich aus meiner Warte kann sagen, dass es schon einige Dinge gibt, die ich gern wollen würde, wenn ich sie nur könnte. Ich habe es einige Male ausprobiert, aber bin stets gescheitert. Ich würde gern mal auf ein Konzert in der Waldbühne, wo Tausende Menschen hineinpassen und mich null um die Energie anderer scheren, einfach weil ich sie gar nicht bemerke. Ich würde gern in der Oper ohne Ohropax sitzen, weil es mir nicht zu laut wäre, sondern je lauter, desto besser. Ich wäre gern völlig entspannt damit, wenn mein Nachbar hustet, 200 Flugzeuge am Tag über meinen Kopf hinwegrauschen, draußen die Anwohner grölen und in den Öffis eine Art Privattreffen stattfindet – immerhin weiß ich über einige Fahrgäste nach der Fahrt mehr als über meinen Nachbarn. Ich hätte am liebsten keine Probleme damit. Habe ich aber. Manchmal kann ich mich zwar ablenken und nicht hinhören, aber nur wenn ich gerade im Flow mit mir bin.

 

Introvertierte Sensitivität und Sensibilität

Leben mit extrovertierten und introvertierten Partnern

Die Angst vor Lautstärke (die übrigens, Achtung!, bei ALLEN Menschen angeboren ist), scheint bei introvertierten Menschen stärker ausgeprägt zu sein. Nicht zuletzt weisen sie eine erhöhte Sensitivität auf, was wir spätestens seit Elaine Arons Entdeckungen im Bereich der Hochsensibilität wissen und wissenschaftlich bewiesen anerkennen durften. Unsere Sinne sind schärfer. Das ist eine Wahnsinnssache, wenn man beruflich sinnlich (visuell, auditiv, haptisch, gustatorisch, olfaktorisch) unterwegs ist. Höhen und Frequenzen in der Musik nehmen wir ganz anders wahr. Wir können Tiefgänge in so manchem auch viel tiefer und intensiver wahrnehmen, wo sich andere nur wundern. Deshalb sind Großraumbüros oder ständig klingelnde oder piepsende Handys, Pings der E-Mailprogramme, grelles Licht, abartige Gerüche, die bestimmte Konsistenz eines Nahrungsmittels oder kratzende, zwickende und enge Kleidungsstücke nichts unseres.

Auch in der Sparte der psychischen und emotionalen Sensibilität haben wir andere Vorstellungen als extravierte. Als King Kong im gleichnamigen Film auf dem Empire State Building minutenlang von Flugzeugen beschossen wurde, habe ich zwei Taschentuchpackungen verheult. Wenn ich wütend bin, ist man lieber woanders. Wenn ich brülle, steht die Uhr nicht auf 5 vor 12, sondern auf halb 1. Wenn ich einmal Nein sage, heißt das klar Nein, nicht Vielleicht, nicht „Versuche mich noch weiter zu überzeugen. Ja, bitte! Geh mir auf den Keks!“ Essen, Parfums und Temperaturen können bei mir Wunder bewirken oder eines nötig machen. Freunde sind Familie. Stundenlange, gute Gespräche können Wochen voller Stress wegzaubern. Eine Umarmung oder ein „Wie geht es dir?“ hat eine Bedeutung. Und Sex ist weit mehr als „nur Sex“.

Nicht selten dachte ich, dass Introvertierte per se „komplex“ seien, auch wenn sie wenig oder weniger von sich preisgeben. Sie brauchen einfach ihre Zeit, um Vertrauen zu schöpfen und sich bei jemandem zurücklehnen zu können.

 

Introversion: Sinne und Emotionen in Verbundenheit

Wir haben zudem eine außergewöhnliche Neigung dazu, unsere Sinne mit den Emotionen in Einklang zu einer wahren Pracht zu bringen: Wir fühlen Farben, riechen Angst (oft modrig, schlammig), sehen anderen ihre geheimen Gedanken an der Nasenspitze an und wissen, wie die Jahreszeiten schmecken. In Gesprächen mit Konfliktnatur nehmen wir alles wahr und saugen es auf, speichern es ab und können es später mit unseren Gefühlen und Emotionen erneut in uns aufrufen, wie ein Buch, das wir wieder an einer bestimmten Seite aufschlagen.

Wir fallen oft erst zwei bis drei Tage später aus allen Wolken, weil unser Gehirn erst dann alles verarbeitet hat, bis hin zu kleinsten Notlügen und versteckten Gemeinheiten. Wir brauchen aber nicht aus Unfähigkeit länger; wir haben mehr Informationen aufgenommen und hatten deshalb mehr zu verarbeiten. Ausgeblendet wird bei uns gar nichts. Eine wunderbare Sache, wenn man sich in Gefilden befindet, die von Informationsverarbeitung, -aufarbeitung, Mustererkennung und -verbindung befindet. Wir sind eben die für das große Ganze, während extravertierte meist nur einen Teil bearbeiten. Wir sind – in den meisten Fällen – auch empathisch, wenn nicht sogar hochempathisch, was extravertierte Menschen selten sind. Wir stehen für Gegenseitigkeit, Ehrlichkeit, Freiraum, Individualität.

 

Das nicht so Schöne an der Introversion

Introvertierte Menschen sind oft hochsensibel und empathischAber natürlich gibt es auch Seiten, die wir deshalb weniger draufhaben: Unsere Ideen sind weniger schnell aufrufbar. In Brainstormings brillieren wir entweder nicht schnell genug, gar nicht oder aber sind total genervt, weil wir schon wissen, was zu tun wäre. Weil wir in manchen Dingen unser eigenes Tempo haben, können wir uns in Liebesdingen schnell überrannt fühlen. Extravertierte lassen sich schneller auf jemand Neues ein, wo wir noch darüber nachdenken, wie derjenige wohl diesen einen Satz gemeint haben könnte.

Wir stehen ungern im Mittelpunkt, was bei einigen bis hin zu Prüfungsangst, Redeangst oder Auftrittsangst geht. Wir sind kritischer in Hinblick auf unsere Leistungen, was uns zwar zu wandelnden SWOT-Analytikern (Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Analysen) macht. Aber wir vertrauen uns oftmals nicht genug. Wir brauchen deshalb auch etwas länger, bis wir zu einer Entscheidung kommen. Besonders im emotionalen Bereich kann oftmals wie Misstrauen oder gar Misanthropie aussehen. In Wahrheit aber grooven unsere Gehirne noch, sind noch nicht fertig mit der Bearbeitung der Situation oder Herausforderung. An überfüllten oder lauten Plätzen findet man uns eher selten. Wir können mitunter Oberflächlichkeit ertragen – kurz. Aber am liebsten sind uns tiefsinnige, weil interessante Gespräche. Gute Small talker sind wir deshalb auch nicht von Beginn an.

Einige dieser Herausforderungen lassen sich antrainieren. Ich habe es ausprobiert. Andere wiederum – schon erwähnt – lassen sich nur ertragen lernen. Das funktioniert am besten, je weniger gestresst man ist. Außenumstände können besonders lästig werden, wenn Introvertierte in ihre Gedanken versunken sind, zum Beispiel arbeiten, schreiben, kreativ sind, sich bewusst entspannen wollen, ihren Gedanken freien Lauf lassen wollen. Jede Unterbrechung kann schnell an die Grenze zum Genervtsein schlagen. Mit Melancholie hat nichts zu tun. Wir empfinden eben alle Gefühle und Emotionen tief und schwimmen da auch gern einmal drin.

Mir fiel in meiner bisherigen Arbeit mit Menschen auf, dass gestresste Introvertierte noch sensitiver und sensibler reagieren auf ihnen leidige Umstände, wenn sie allgemein gerade gestresst waren oder bislang noch keine Möglichkeit hatten, sich wieder herunterzufahren.

Auf Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Treffen zum Beispiel brauchen sie bewusste Zwischendrin-Pausen, bevor sie sich wieder ins Getümmel werfen. Auch mit der neurologisch sinnvollen Frequenz von 90min je Arbeitseinheit, gefolgt von einer Minipause, kommen sie oft nur schwer zurecht. Je nach individueller Konstitution brauchen sie alle 30 oder 45, spätestens aber 60 Minuten eine Pause von mindestens 10-20 Minuten.

Eine noch leidigere Sache bei der Introversion ist, dass introvertierte Menschen es nicht so sehr mögen, zu warten. Sie sind es aufgrund ihres Lebensstils gewohnt, dass sie sich so wenig wie möglich externen Umständen und Menschen anpassen müssen. Bekommen sie also nicht wie üblich schnell Zugriff auf etwas, können sie leichter nervös und gestresst werden. Wenn es zum Beispiel alles, was ich zum Leben brauche, auch in den Berliner Spätis zum selben Preis gäbe, würde man mich nie wieder in einem Riesensupermarkt sehen. Aber zwischen Introvertierten gibt es auch „Niveaustufen“, also Ebenen der Intensität, wie ich erfahren durfte. Einige sehen Umstände, die ich so gar nicht abkam, entspannter als ich, während andere noch viel kritischer sind. In eine einzige Schublade passen wir also nicht.

 

Was Introvertierte noch wissen dürfen

Ich mag etwas extrem sein, wenn es um Anpassung geht. Dennoch habe ich für mich seit langer Zeit einen beiderseits guten Weg gefunden. Wenn zwei sich in ihrer -iertheit unterscheiden und partout keine Kompromisse finden, schadet es der Seele desjenigen, der sich „deshalb“ freiwillig ändert oder anpasst. Lieber Alles Gute wünschen und sich so sein lassen, wie man ist. Auch wenn es bedeutet, dass derjenige dann nicht Teil des Lebens ist oder du Teil seines Lebens, so ist es auf lange Sicht gesünder und wohltuender, weil vorprogrammierte Konflikte gar nicht erst entstehen konnten.

Auf der anderen Seite können Introvertierte einiges von Extravertierten lernen (umgekehrt auch). Begib dich deshalb lieber nicht so schnell in dieselbe Vorurteils- und Bewertungsschublade wie andere. Sondern beobachte, was dir am extravertierten Lebensstil zugute käme. Studiere die Menschen, die mit Bravur und Leichtigkeit etwas können, was du beneidest oder bräuchtest. Schau, ob dein Körper, Geist und deine Seele das willkommen heißt oder ob es sich, wie bei mir und der Lautstärke, um eine Duldungssache handelt. Frage bewusst deine extravertierten Freunde oder Familienmitgliedern, wie sie es machen. Gehe ihn auf den Nerv, bis sie es ausspucken. Oft machen sie es so intuitiv und unbewusst, dass sie nur schwer sagen können, wie sie es tun. Aber wenn man ihnen erklärt, wieso man das wissen möchte oder gar muss, dann öffnen sich viele schnell und gehen in sich.

Beide Seiten bewusst anzugleichen, macht einen zwar noch lange nicht ambivertiert. Denn das hieße in meinen Augen, dass beide inneren Tendenzen eigens als Impulse in dir auftauchen. Aber es ermöglicht auf jeden Fall eine Entwicklung deiner Persönlichkeit und deiner Kompetenzen im beruflichen und/oder sozialen Kontakt. Es bewusst auszubalancieren, bedeutet ja nicht zwingend, dass wir etwas vom Überwiegenden wegnehmen, sondern nur, dass man es ergänzt.

 

Wie man sich selbst als Introvertierter sieht, ist entscheidend

Gott weiß: Ich habe lange Jahre mit meiner Natur gekämpft und meine Introversion nicht selten zum Teufel jagen wollen. Ich wollte alles können, was andere konnten – der Anpassung wegen und um nicht aufzufallen, um alles das zu bekommen, was andere hatten, um immer Teil sein zu können statt allein. Aber ich merkte schnell, dass meine Introversion ihre Vorteile hatte, dass Exklusion und Alleinsein Gutes innehatte. Allein im Erleben und Erfahren des Lebens, innerer Weisheit, Achtsamkeit (wir können das eher) und menschlicher Gefühle, bergen einzelne, wenige Anker so viel Kraft, dass sie dich nähren und über einiges hinwegtragen können.

Nur wenn es sich um Angst, Scham und Schuld handelte, habe ich Schwierigkeiten, mich dort hineinfallen zu lassen. Aber zum Glück durfte ich lernen, dass auch Extravertierte ihre Probleme damit haben. Manchmal sogar mehr als die, die die Weiten ihres Bewusstseins nicht scheuen, sondern lieben. Wenn man sie denn lieben gelernt hat: Eine unbedingte Empfehlung für alle Introvertierten.

Leise Grüße,
Janett Menzel