Nicht wie die anderen: Vom Mut, anders und eigen-ART-ig zu sein

Nicht wie die anderen: Vom Mut, anders und eigen-ART-ig zu sein

 

Wir sind es gewohnt, dass die Dinge, das Leben und was es ausmacht, auf eine bestimmte Weise geschehen sollen/müssen. Wie das auszusehen hat, lernen wir früh. Wer es dennoch anders macht, es wagt, das Leben anders und auf seine Weise zu leben und dabei übermäßig auffällt, wird eigenartig beäugt. Er gehört – eben wie das Wort es bereits sagt – nicht zu dieser, anerkannten, Art, sondern zu einer eigenen, fremden. Vermeintlich sei die Zugehörigkeit zum „Normalen“ eine gute Sache. Doch eine der größten Erkenntnisse meiner Angst- und Panikzeit bestätigte mir das Gegenteil. Für manche gibt es dieses „normal“ nicht. Für manche ist das Normale nicht besser und oftmals nicht einmal gut oder genug. Nicht wie andere zu sein, kann auch eine Erleichterung bedeuten und Pforten öffnen, die die Selbstverwirklichung in Gang setzen.

Ein Blogpost über den Mut, anders und beizeiten auch eigenartig zu sein.

 

Stäbchen, Stäbchen in der Hand: Wie geht normal in diesem Land?

etwas nicht können nicht genug und nicht gut sein„Echt witzig, dass du mit Stäbchen essen kannst, obwohl du sie völlig falsch hältst!“ staunte einmal jemand, als ich mit ihm bei meinem Lieblingsvietnamesen in Berlin zum Abendessen saß. Ich fühlte mich ertappt. Für mich normal und mittlerweile routiniert, hatte ich seit über 15 Jahren in Asiarestaurants „falsch“ gegessen, in der Hoffnung, niemand würde es bemerken. Trotz der „falschen“ Haltung der Stäbchen gelang es mir erfolgreich, dass das Essen in meinem Mund landete, statt auf dem Tisch. Wie man richtig“ mit Stäbchen isst, weiß ich aber bis heute nicht. Doch da ich nicht imstande war, auf diese bestimmte Art und Weise „normal“ zu sein, lernte ich eben meine eigene Art, Stäbchen zu halten. So auch mit anderen Lebenslektionen.

Als meine Mutter versuchte, mir als Kind beizubringen, wie ich Schuhe zuschnüre, verstand ich nicht, wie das mit einmaligem Herumbinden der Schnürsenkel funktionieren sollte. Ich band sie also zweimal herum, bis heute. Wieder falsch gemacht, aber auch diese eigene Art habe ich mittlerweile perfektioniert. Erst nachdem ich sie Jahrzehnte falsch gebunden hatte, eignete ich mir die richtige Bindeart an. Meine Eigenartigkeit, Dinge auf eine bestimmte Art und Weise zu tun, erlaubte mir, sie gegebenenfalls auch „richtig normal“ zu machen – wenn ich es wollte. Witzigerweise war meine frühere Bestrebung, nicht aufzufallen, wenn und weil ich etwas nicht wie andere konnte, nie gleichbedeutend mit unfähig. Sie versteckte auch nie meine Unfähigkeit, Dinge normal zu machen. Meine Erfahrungen standen im Gegensatz zum bekannten Sprichwort: „Lerne erst die Regeln und dann brich sie.“ Ich machte es einfach nur anders als andere, während andere sahen, dass es auch anders ging – und das offensichtlich und sehr gut.

 

Was ist „normal“, „richtig“ und „gut“ und wer zum Teufel hat’s festgelegt?

regeln lernen und menschen erziehen glaubensmuster auf das leben vorbereiten

Viele der Menschen, die ich seit Bestehen des Blogs kennenlernen durfte, ob mit oder ohne Angst, sind anders, fühlen sich seit ihrer Kindheit/Jugend vermeintlich falsch und versuchen, sich und ihre eigene Art, mit dem Leben umzugehen, zu verstecken. Aus dem „Falschen“ wurde oft ein Gewirre an Glaubensmustern wie „Ich bin nicht richtig. Wenn ich nicht richtig bin, bin ich falsch. Wenn ich falsch bin, bin ich nicht gut. Bin ich nicht gut, bin ich schlecht. Und schlecht zu sein, heißt, nicht geliebt zu werden.“ So begaben sie sich auf eine Reise ins „Besser-werden-Land“, in dem man sich an anderen abschauen und lernen konnte, wie das Leben „richtig“ funktioniert.

Wir haben uns in ein Leben leiten lassen, anhand dem, was andere Personen sagten, die selbst nur von Anderen gelernt haben. Was sie gelernt haben, muss nicht einmal richtig sein – erst recht nicht unserem Rechtsempfinden entsprechen. Wir haben alle eigene Werte und Ideale, Persönlichkeiten, so verschüttet sie auch sein mögen. Das sollte schon wertgeschätzt werden. Doch Menschen, die uns erziehen und meinen zu wissen, was gut für uns sei, können sich auch irren. Nehmen wir zum Beispiel Eltern oder Freunde: Sie meinen es nicht schlecht und wollen uns nicht verletzen, wenn sie uns ihre Meinung sagen oder beschützen wollen. Je nach Härtegrad aber ignorieren viele, dass andere eben anders sind oder anders aufwuchsen oder anders empfinden. Nur in offenen Gesprächen könnte es gelingen, dass man beide Meinungen unterbreiten kann und so für Verständnis sorgt. Aber dazu muss schon eine Bereitschaft bestehen, die ziemlich häufig fehlt. Dafür gilt zu sehr ein Kodex, der sich seit Generationen „durchzieht“ und uns Menschen lenkt. Eigene Bedürfnisse dürfen so gut wie gar nicht mehr sein. Erfolg wird (still oder laut) beneidet und durch Vergleiche, in denen der Wertende schlecht abschneidet, mit offener Ablehnung und Verachtung gestraft. All das nur, weil der Gegenüber es sich selbst wünscht und es dem Erfolghabenden nicht gönnt. Heute will einfach jeder der Beste sein und leidet nach meinem Empfinden unter den eigenen Bedürfnissen, die unbefriedigt blieben. Das wiederum erzeugt Traurigkeit, Wut, Frustration, Angst und führt letzten Endes zur Ellenbogengesellschaft, wie sie existiert, samt Mobbing, Untreue, Persönlichkeitsstörungen und mehr.

 

Angst vor dir selbst? Über die Angst, nicht nur anders, sondern sogar besser zu sein

Unter meinen LeserInnen, in vielen Fällen Menschen mit Angst, Panik, Depressionen oder Selbstzweifel und Sorgen/Stress, lernte ich einige kennen, die sich nicht trauten, besser zu sein, weil sogar dieses „Besser“ ihnen das Gefühl gab, dass sie anders und damit nicht genug wären. Dabei hatten sie große Talente, die sie dennoch lieber unter den Scheffel stellten, um nicht aufzufallen und bei niemandem anzuecken. Menschen wie wir haben es nicht so mit Kritik. Das muss gelernt werden und täglich geübt. Denn anders zu sein wird von uns (als Ergebnis anderer) negativ interpretiert. Dann wären wir weniger für andere da und würden eventuell deren Bedürfnissen weniger Beachtung schenken. Wir hätten mehr erreicht oder etwas, was sie nicht erreicht haben. Sie würden sich schlecht fühlen und traurig werden. Aus Angst davor, andere zu verletzen, halten sich Menschen mit Angst und Panik deshalb absichtlich klein und scheren nicht aus. Sie ignorieren eher ihre Talente. Diese Ereigniskette und ihre eventuellen Konsequenzen macht vielen – verständlicherweise – bis heute eine Heidenangst. Wenn sie sich anpassen müssen/sollen oder aber mehr von ihnen verlangt wird, sie zeigen sollen, was sie drauf haben, geschieht es dennoch nicht selten, dass sich eine Panikattacke ankündigt. Als würde der Sensor im Inneren, die Seele oder das Herz, der Geist oder das höhere Ich wie ein schlafender Hund aufschrecken und bellen.

Ich drifte kurz in diese Richtung für alle meine LeserInnen, die unter Angst- und Panikattacken leiden:

 

Dein Körper weiß sehr viel besser, was du unterbewusst festgelegt hast – und unterstützt dich

dein körper folgt deinen glaubensmustern bei angst und panikDein Körper verweist dich auf die richtige Antwort, wenn es um die Frage geht: „Was ist normal, gut und richtig?“ In den meisten Fällen verspüren wir entweder ein dumpfes Bauchgefühl, die Stimme unserer Intuition, oder unser Körper reagiert ganz eigens mit Angst, Panik oder anderen Symptomen wie Bauchgluckern, Verkrampfungen der Muskulatur, Holzstolpern, feuchte Hände usw. Da sich unser Körper dem fügt, was wir unterbewusst festgesetzt haben, handelt er entsprechend unterstützend.

Wenn du es für sicherer hältst, aus bestimmten Gründen Zuhause zu bleiben, weil du dort arbeitest oder so stets in der Nähe eines Elternteils, Partners oder Kindes sein kannst, geschieht es oft, dass dich dein Körper unterstützt und so „Anflüge“ von Ausbrüchen und Trennungen verhindert. Die würden dein Leben instabil machen oder bei dir für ein bestimmtes Gefühl sorgen, was in deinem Unterbewusstsein als „falsch“ eingestuft wurde. Irgendwann in deinem Leben entwickelten sich für alle möglichen Bereiche diese Landkarten, die als Glaubenssätze benannt werden. Aber es sind streng genommen weit mehr als nur Sätze, die unseren Glauben widerspiegeln. Sie sind Landkarten aller möglichen Konsequenzen, die eintreten könnten/würden, wenn du X tätest. So macht es dir dein Körper leichter und unterbreitet dir die Möglichkeit, nicht länger zweifeln zu müssen, sondern dich zu fügen.

Ich zum Beispiel bekam immer dann Angst und Panik, wenn ich freundlich sein musste, obwohl ich meinen Gegenüber unsympathisch fand oder einfach nicht mit ihm warm wurde, wenn ich an Orten oder zu Events war, bei denen ich nicht sein wollte, aber zu denen ich mich hatte überreden lassen, um jemanden nicht abweisen zu müssen. Mein Körper reagierte auch, wenn ich mit den Bedürfnissen anderer konfrontiert war, die meinem Weltbild nicht entsprachen. Entweder ich wurde krank oder bekam Angst und Panik. Wenn ich überarbeitet war, aber versuchte, noch durchzuhalten, geschah dasselbe. Der Stress, den Menschen auslösen, was heute als sozialer Stress anerkannt wird, ist immens und absolut unterschätzt in der Ursachenforschung bezüglich Angst und Panik. Unsere Rollen, die wir glauben spielen zu müssen, um nicht unbequem zu werden, aufzufallen, im Extrem ausgegrenzt zu werden oder um etwas, was uns am Herzen liegt, bewahren zu können, bringt uns näher an Angst und Panik heran und sehr, sehr weit weg von Authentizität und Mut, anders und eigenartig zu sein.

 

Wie du authentisch anders und eigenartig leben kannst

mut authentisch anders eigenartig eigensinnig zu seinUnweigerlich gehört zu einem authentischen Leben vor allem Willenskraft und der unbedingte Glaube an sich selbst. Dass du alles durchstehen würdest, womit dich dein Leben konfrontiert, zum Beispiel, oder dass du Anhänger fändest, eben WEIL du anders und eigenartig bist. Als ich gezwungen war (in meiner Angst- und Panikzeit), mich dem hingeben zu müssen, was und wer ich WIRKLICH war, verlor ich Menschen, von denen ich nie geglaubt hatte, dass ausgerechnet sie sich abwenden würden. Interessanterweise aber waren es genau die Personen, bei denen ich Rollen zu spielen hatte. Dafür gewann ich Menschen, bei denen ich nicht im Leben gedacht hätte, Eindruck zu machen. Meine Unbequemlichkeit zum damaligen Zeitpunkt zeigte ihnen, dass ich Werte hatte, die im Einklang mit ihren Zielen standen und dass ich bereit war, auf Teufel komm heraus, für diese einzustehen – und nach mir die Sintflut. Alles in allem war es eine sehr turbulente Zeit, aber sie zeigte mir einmal mehr, dass es sich lohnte, keine „Krankheit“ zu brauchen, um sich vor Situationen und Menschen zu schützen – oder vor sich selbst.

Die Angst vor sich und seiner natürlichen Gewalt ist im Übrigen eine der größten Herausforderungen, die ich seither erlebe – nicht nur bei mir, sondern bei allen meinen LeserInnen. Instinktiv – nicht intuitiv – fahren sie immer wieder aus ihrer Haut und damit aus ihren wohl einstudierten Rollen, aber sie fallen genauso schnell wieder in das alte Schema zurück. Als würden sie die ersten Gehversuche machen und sich erproben. Ohne sich sofortig schlagartig ändern zu müssen, tasten sie sich langsam vor und machen es hier und da anders als sonst. Bewusst und gezielt schauen sie an den Reaktionen der verschiedenen Menschen, bei wem sie Rückhalt erwarten dürfen und bei wem nicht. Man kann verschiedene Verhaltensweisen ausprobieren, wenn die erste weniger erfolgreich war, um eine zu finden, die mehr Erfolg verspricht. Im Endeffekt bleibt einem aber wenig übrig, als diese Versuche anzugehen. Im eigenen Tempo wohlgemerkt.

Besonders erfolgversprechend fand ich, sich mit Menschen zu vernetzen, die auf dergleichen Wellenlänge sind wie man selbst. In den heutigen Zeiten, in denen es für alles ein Internet-Forum oder eine Facebook-, LinkedIn- oder Xing-Gruppe gibt, ist das wahnsinnig leicht. Man muss nicht einmal in der Nähe des eigenen Wohnortes fündig werden. Allein der Rückhalt durch die Erkenntnis, dass man nicht allein ist mit seinen Bedürfnissen oder Empfindungen, ist unbezahlbar. Es gibt einem das Gefühl, dass es richtig, gut und normal sein kann, so zu sein, wie man ist. Im Alltag aber ist man umgeben von Menschen, denen man sich angepasst hat, während man sein wahres Ich verheimlicht, um nicht für Aufruhr zu sorgen. Es fällt nur schwer, DU zu sein, weil es bislang keine Plattform mit Menschen gab, die nicken und sagen: „Verstehe dich völlig. Geht mir genauso.“ oder „Super. Weiter so!“ So etwas braucht man aber, wenn man versucht, sich seinem wahren Selbst anzunähern.

Ich beispielsweise habe es mir angewöhnt, nicht im deutschen Sprachraum, sondern im englischen, nach solchen Foren und Netzwerken zu schauen. Bei den Amis ist es irgendwie normaler, nicht normal zu sein. Selbst als ausstudierte Amerikanistin kann ich bis heute keinen Grund dafür benennen. Aber man wird herzlich willkommen geheißen, während man hier in Deutschland komisch beäugt wird. Wir Deutschen sind einfach sehr kritisch. Ich bin zum Beispiel in allen großen Facebook-Gruppen für Empathen, in Übungsgruppen für Spiritualität und mehr. Dort fühle ich mich wohl und verstanden, gesehen und ich weiß durch die vielen Posts anderer, dass ich bei einer Frage oder einer Unsicherheit nur etwas posten muss, zum Beispiel: Was andere in Fällen von XY machen, um sich besser zu fühlen. Man bekommt so viel Unterstützung und Geborgenheit geschenkt, die ich im normalen Leben und Alltag hier in Berlin nur bedingt habe.

Was tust du, um authentisch und wohlig anders zu leben? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Alles Liebe bis dahin,
Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

12 Warnzeichen bei Frauen, von denen Mann lieber die Finger lässt

12 Warnzeichen bei Frauen, von denen Mann lieber die Finger lässt

 

Ich war nie der Überzeugung, dass Männer die „Schlimmen“ wären. Ich habe zu oft zusehen müssen, wie Frauen Männern, die mir am Herzen lagen, das Leben zur Hölle machten – und die Männer zu verliebt oder gutgläubig waren, weswegen sie nichts dagegen taten. Nun, wie angekündigt, nach dem Erscheinen des Posts über Männertypen, von denen Frau besser die Finger lassen, hier der Post für Männer über Frauen, von denen sie lieber die Finger lassen mit 12 Red Flags, Warnzeichen und Signale, dass diese Frau nichts für dich ist oder es zumindest nicht gut mit dir meint. 

Auch hier gibt es wegen des Themas etwas mehr Polemik und Polarisierungen, als meine LeserInnen allgemeinhin von mir gewöhnt sind. Doch nach wie vor denke ich, dass auch solche Begegnungen am besten mit Humor genommen werden.

 

12 Warnzeichen bei Frauen, von denen Mann lieber die Finger lässt

Red Flag 1: Sie erlaubt dir kein Privatleben

sie verbietet mir Freunde und FreizeitSie will stets wissen, wo du bist, wem du telefonierst oder dich triffst. Sie ruft dich an, wenn du dich um 15 Minuten verspätest, ohne dich gemeldet zu haben. In ihren Worten schwingt ein Unterton, der Schuldgefühle auslöst und dich zu einem kleinen Kind degradiert, das gemaßregelt wird. Du hast etwas Verbotenes getan, ohne dass dir das bewusst war. Wenn du sie nicht verlieren möchtest, wirst du dich mit der Zeit daran gewöhnen, wie eure „Beziehung“ in ihrem Kopf auszusehen hat: Was du wann und wie und vor allem OB zu tun hast, obliegt ihr. Du musst dich fügen, sonst droht Verlust. Natürlich wirst du hin oder wieder versuchen, auszuscheren, dir deine Freiräume gewähren wollen, ohne dass du dich rechtfertigen musst. Und du bist im Recht: Du musst gar nichts. Entweder die Beziehung baut auf Vertrauen und gegenseitiges Wohlwollen oder es ist misslich. Dieser Typ Frau droht häufig mit Trennungen oder du erlebst Diskussionen und Schweigen als Strafe, Seitenhiebe aus dem Nichts, bei denen du dachtest, das Thema wäre bereits gegessen. Sie will deine völlige emotionale Abhängigkeit. Sie vergisst keinen deiner vermeintlichen Fehler. Sie nutzt sie gegen dich, um sich nicht schlecht zu fühlen. Denn wenn du derjenige bist, der „falsch“ ist, dann ist sie es nicht.

Einem meiner engsten Freunde geschah das einst. Zum Schluss schaffte er es, sich aufzubäumen und durchzusetzen, weil er ihr Bild einer Beziehung und gemeinsamen Zukunft nicht mehr aushalten konnte. Sie fühlte sich stets ausgeschlossen, auch wenn er sie nicht ausgrenzte. Er durfte rein gar nichts mehr ohne sie tun oder tun wollen. Und fühlte sich eingekerkert wie ein Schwerverbrecher, wenn er auch nur an seine Freunde und Hobbys dachte. Während sie die völlige Verschmelzung wollte, die Auflösung jeder Individualität, versuchte sie nur zu vermeiden, sich ein eigenständiges, unabhängiges und selbstverantwortliches Leben aufzubauen.

 

Red Flag 2: Status ist ihr wichtiger als Charakter

status ist ihr wichtiger sie liebt mich nicht wirklichIch kannte einst einem Mann, bei dem es nie länger als drei Minuten dauerte, bis eine Frau von Stand ihn erblickte. Er selbst war so jemand, der offensichtlich alles hatte, was man sich so wünschen könnte: Geld, beruflicher Erfolg, teure Markenanzüge, gutes Aussehen, Selbstbewusstsein ins Gesicht geschrieben. Ein wahres Alpha-Tier. Die jeweiligen Frauen sahen ihn und erkannten ihn. Er war ihr Beuteschema. Sein Charakter war – darauf würde ich bis heute wetten – nie wirklich ausschlaggebend. Was zählte, war, was er zu geben hatte und ausstrahlte. Er würde die Familie ernähren können, immer verantwortlich sein für den Zusammenhalt, für die Unterhaltung, das Funktionieren, stärker als jedes Familienmitglied und emotional nicht bedürftig. Er würde nichts brauchen und nichts wollen, sondern sich eingliedern und sich um die Rollen kümmern, die ihm zugeschrieben wurden. Von eigenen Bedürfnissen abgeschnitten, würde er der Frau an seiner Seite alle Wünsche von den Lippen ablesen, ihr ein wunderbares Leben ermöglichen und dazu noch Reichtum und Freiheit. Dafür bleibt sie – komme, was wolle. Dafür dürfte so ein Typ Mann gern fremdgehen, solange er sie nicht verlässt.

Dieser Typ Frau würde unendlich lang kämpfen, dass sie Teil hat an dem, was er schuf und täglich schafft. Denn sonst würde wenig für sie übrig bleiben, weil es ihr an einem eigenen Leben mangelt. Sie definiert sich über ihre Partner und dem, was sie besitzen. Besitz ist das, was sie verlangt. Besitzt man dann weniger oder will seinen eigenen Rahmen sprengen, sinkt man sofortig im Wert, außer ihre Sicherheit ist gewährt, außer sie darf dabei sein und wird nicht verlassen. Ihr tut es am meisten weh, wenn sie mit Schweigen gestraft und mit Ehrlichkeit konfrontiert wird. Standing (Standhaftigkeit) ist das Brecheisen ihres Stolzes. Denn sie funktioniert über Gefallen: Wenn sie nicht gefällt, beginnt sie, sich Sorgen zu machen und zu ändern. Deshalb sind viele dieser Frauen auch der Überzeugung, dass sie etwas Besseres wären oder verdient hätten. Mit „normalen“ Männern geben sie sich selten zufrieden.

 

Red Flag 3: Sie ist nicht stark, wenn du schwach bist

Es gibt Zeiten im Leben, in denen alles hart auf hart kommt. Im Beruf geht es bergab, das Geld wird knapper oder du möchtest, dass sich etwas ändert und sorgst für Ungewissheit, was deiner Partnerin Angst macht. Die Gesundheit lässt zu wünschen übrig oder du hattest einen Unfall, bist aus heiterem Himmel seit geraumer Zeit erkrankt, brauchst Ruhepausen und Rückzug, Hilfe, Verständnis und jemanden, der für dich da ist. Und plötzlich stellst du fest, dass ausgerechnet die eine Person, von der du emotionale und psychische Unterstützung erwartest hättest, Nein sagt, lethargisch oder wie gelähmt ist. Sie kann weder für dich einspringen noch bemüht sie sich. Sie weigert sich, flüchtet aus der Wohnung oder in ihre Welten, geht ihren gewohnten Rollen und Funktionen nach, aber beharrt auf das Gewohnte – und damit auch auf Unflexibilität und Unsensibilität.

Nach Fritz Riemann würde dieser Typ Frau zu den Hysterischen gehören. Nicht im normalen Verständnis des Wortes „hysterisch“ übrigens, sondern als Reaktionsmuster auf Veränderungen und der damit verbundenen Unsicherheit, sich neu anpassen und wandeln zu müssen. Überhaupt eine funktionierende Rolle für sich gefunden zu haben, einem Mann, bei dem sie „passt“, ist in ihren Augen wertvoll. Diese Identität bedeutet Stabilität. Alles Ausufernde oder Ändernde bereitet ihr Angst und lässt sie „unpassend“ werden. Ich schätze aus eigenen Erfahrungen diesen Typ so ein, dass er bereits nach weniger Zeit zusammenbrechen, ausbrechen und flüchten würde. Hier sind also keine Fälle gemeint, die durch mangelnde Kommunikation (Ich kann nicht mehr, wir brauchen eine Lösung.) und langer Zeit (Aufopferung oder Dulden über Jahre hinweg), in der man in einer Herausforderung verharrt, ohne etwas gegen sie zu unternehmen, als Partnerin schlichtweg nicht mehr (zusehen) kann. Sie empfindet ihren Partner schneller (< 3 Monate) unwürdig oder unpassend, weil er nicht oder nur noch wenig geben kann. In den meisten Fällen bleibt der Mann der Schuldige, der „nichts mehr auf die Reihe bekam“.

 

Red Flag 4: „Du liebst mich doch gar nicht! Wenn du mich lieben würdest, dann…“

Frauen, von denen man solche Sätze hört, projizieren meistens ihre eigenen Ängste auf dich oder aber ihr zwei hattet von vornherein dieselben Herausforderungen. Misstrauen Liebe und Beziehungen gegenüber, miese Beziehungserfahrungen und viele Zweifel, ob man für eine neue Beziehung bereit ist, mit der Person, die man getroffen hat, zeigen sich recht schnell. Meistens ist es der Mann, der sich zurückzieht und die Frau, die dann in sich zusammenbricht, dir hinterherläuft oder ins Diskutieren gerät. Nach anfänglichem Verständnis, Dulden und Hingabe, werden irgendwann unweigerlich Vorwürfe folgen, wieso du sie nicht so liebst, wie sie es verdient hätte.

Diese Frauen können sich in meinen Augen leichter ändern als andere, außer ihre Angst hat einen Nutzen, der traumatische Erfahrungen verdeckt lassen soll. Das ist deshalb von allen der harmloseste Typ, weil sich zwei Menschen treffen, die in der Tiefe ein- und dasselbe Bedürfnis haben und sich gleichzeitig davor fürchten. Aber der eine ist der aktive Beziehungsängstliche, während die Frau meist die passive ist. Sie will oder kann aus eigenen Gründen ihre Angst vor einer tiefen Partnerschaft nicht ausdrücken, weshalb sie das den Mann „erledigen lässt“. So kann man seine eigene Angst vor sich verheimlichen und sich um den Anderen kümmern, sich über seine Angst kennenlernen und sie in der Tiefe erfahren. Es vermeidet nicht ganz die Auseinandersetzung mit seinen eigenen Herausforderungen. Viele merken ohnehin irgendwann, dass es wohl etwas mit ihnen zu tun haben muss, wenn sie stets denselben Typ Partner anziehen.

 

Red Flag 5: Du spielst den Ersatzvater oder Ernährer, weil der Eigentliche nicht verfügbar ist

sie will mich nur als ersatzvater und ernährerDa der ehemalige Partner nicht mehr da ist, fehlt der Vater für ihr Kind/ihre Kinder und ein Mann, der sich am Haushalt, an der Familie, am Geldverdienen und Wohlfühlen beteiligt. Sie glaubt, es allein nicht zu schaffen, fühlt sich überfordert und erwartet Unterstützung vom ihrem Partner – auch in der Kennenlernphase deutet sich das bereits offensichtlich an. Mann wird zum Ersatz für einen, der nicht mehr da ist. Von ihm wird oftmals viel Verständnis für ihre Lage gefordert, während sie allerdings kaum Verständnis zeigt.

In einer ungeplanten Umfrage auf einer Berliner Singlebörse nannten die Männer diesen Typ exzentrisch, eigenwillig und knallhart, beizeiten auch egoistisch und narzisstisch. Sie fühlten sich ausgenutzt und waren nur dann wertvoll als Mensch und Mann, wenn es dem Typ Frau „in den Kram passte“ (Zitat). Hatte der Mann einen unsicheren Job oder lebte ein unstetes Leben bzw. war arbeitssuchend, lagen die Karten von vornherein schlecht. Anrechte hatten sie keine, auch wenn das Kind bereits eine Verbindung zu dem Mann aufgebaut hatte. Dafür aber hatten sie sehr klischeehafte Rollen zu erfüllen, was den meisten misslang. Für alles Andere, was sie sich noch von der Frau gewünscht hätten, reichten sie offenbar nicht.

 

Red Flag 6: Sie will nur Sex, aber erlaubt keine emotionale Nähe

Ja, unter Frauen verbreitet sich das mehr und mehr. In meiner ungeplanten Umfrage fand ich einige Männer, die das regelrecht schockierte. Darunter waren sowohl solche, die selbst nur nach sexuellen Abenteuern suchten, als auch welche, die eben genau das nicht mehr wollten. Dieser Typ Frau ist ziemlich direkt, wenn es darum geht, jemanden fürs Bett zu finden/zu haben. Mann braucht da keine tiefen Gewässer zu suchen. Es geht um kurzfristige und oft einseitige, harte und emotional kalte Anerkennung. Sie nehmen sich, was sie wollen, um sich kurz gewollt zu fühlen. Danach sind sie schnell wieder weg. Kommunikation, Nähe, Kuscheln oder Kennenlernen steht nicht im Programm. Im Bett lassen sie sich auch eher bedienen, als Anteil zu nehmen. Sie wollen eben bekommen und nicht geben – von Teilen ganz zu schweigen.

 

Red Flag 7: Niemand weiß von dir

sie stellt mich ihren freunden und familie nicht vorIhr knutscht wild, wenn keiner guckt. Sie ist so anders und süß, wenn ihr allein seid. Aber in der Öffentlichkeit verwandelt sie sich in ihren bösen Zwilling. Sie möchte weder, dass du ihre Freunde und Familie kennenlernst, noch, dass du zu viel Zugriff auf ihr Leben hast. Sie möchte alles von dir wissen oder stellt gar keine Fragen. In jedem Fall ist die Beziehung für sie keine, die je öffentlich werden soll. Die Gründe kennt nur sie. Falls du sie fragst, mag sie dir beschwichtigend sagen, dass es nicht an dir liegt, sondern an ihr. Aber außer, dass sie sich noch nicht sicher wäre und die Zeit noch nicht passend, kommen selten tiefergehenden Erklärungen. Einige rechtfertigen sich auch mit miesen Beziehungserfahrungen. Aber falls doch Gründe genannt werden, sind sie in deinen Augen sicher fragwürdig. Je nach Dauer dieses Zustandes kann man zwischen anfänglicher Unsicherheit bzgl. der Zukunftstragfähigkeit und absichtlicher Distanz wild interpretieren. Im Endeffekt ist entscheidend, dass es beide ehrlich und offen wollen, bevor mindestens einer leidet. Entscheidend ist auch, wie lange man einen Menschen in seinem Leben möchte, der sich offensichtlich nicht binden will und nicht zu einem stehen würde.

Aus meinem eigenen Umfeld kannte ich jemanden, der nur solche Frauen anzog. Sie ließen sich von ihm verwöhnen, er schenkte ihnen Gefühle und Anerkennung, sie genossen, dass er sie in den Mittelpunkt stellte. Aber sie gaben nie etwas zurück. Wenn er ihnen seine Beziehungsambitionen zeigte oder offen ansprach, blieb er als derjenige zurück, der sich erdreistet hatte, Gefühle zu haben und einzufordern. Irgendwie war er immer in der Position, dass er zu geben hatte. Nur zurückfordern durfte er nie. Er sprengte das Beziehungsmuster erst, als er aufhörte, Frauen, die von vornherein verlangten, zu „bedienen“. Er bewies sich nicht mehr. Frauen, die keine Anerkennung und Interesse an ihm zeigten, sondern die er erst wochenlang von sich überzeugen musste, ließ er gleich links liegen.

 

Red Flag 8: Sie kann nicht sagen, ob sie in vier Monaten mit dir in den Urlaub fahren würde

Am Anfang einer Beziehung oder nach drei Dates sollte man so eine Frage ohnehin nicht beantworten müssen. Aber nach einer Weile, wenn es legitim wird, dass man auch Urlaube gemeinsam verbringt, schon. Kann die Frau dann aber noch immer nicht, nur widerwillig oder zögerlich eine Antwort darauf geben, ist das ein Zeichen für Bindungsprobleme. Sie will den Moment genießen, aber keine Versprechen machen. Sie will, dass sie sich kaum bewegen muss für das Gute, das man in einer Partnerschaft erhält. Sie hasst Leistungen aller Art, den Beziehungsalltag und Geben-Müssen, jedenfalls bei dir.

Bei einigen ist es eine vergangene Beziehung, die noch quer liegt und unverarbeitet ist. Sie können sich noch nicht auf etwas Neues einlassen und müssten erst in die neue Beziehung hineinwachsen. Bei anderen aber ist es ein klares Zeichen von „Gib mir alles, aber verlange nichts. Erst recht keine Gefühle.“. Sie will weder zum Gefühle-Haben gezwungen werden noch sie stets zeigen und demonstrieren. Sie will nicht in der Position sein, in ihren Schattenseiten, die sie bislang von dir verbarg, erkannt zu werden. Sie will nicht so tun, als wäre alles Hoffnung verheißend. Erst recht nicht will sie dir Versprechen geben, die sie nicht vorhat, zu halten. Intuitiv weiß sie es bereits. Nur dies auszusprechen, könnte dazu führen, dass sie niemanden mehr hätte, der sie will. Es gibt leider Frauen wie Männer, die sich lieben lassen können, aber nicht zurücklieben wollen.

 

Red Flag 9: Sie will gar keinen Sex

sie will keinen Sex mit mir aber beziehungHier meine ich keine Frauen, die körperlich bedingt keine Lust auf Sex haben. Bei einigen Frauen sind es hormonelle Hintergründe. Dieser hier gemeinte Typ aber will sich entweder nicht fallen lassen oder sich dir nicht hingeben, will keine Gefühle spüren oder fürchtet, mit dir verschmelzen zu müssen. Sie verbinden damit etwas. Sex macht ihnen zum Beispiel Angst. Viele empfinden Scham wegen ihres Körpers. Andere empfinden Ekel und verbinden mit Sexualität, zu einem Objekt zu werden.

Von einigen Frauen weiß ich, dass sie mit vorherigen Männern schlechte Erfahrungen mit Sex gemacht hatten. Ihre Ex-Partner haben sich entweder beim Sex nur um sich selbst gekümmert und ließen die Befriedigung der Frau völlig aus den Augen, ohne sich zu reflektieren. Oder sie erwarteten Sex als Gegenleistung dafür, dass sie mit der Frau zusammenblieben – aber im Droh-und-Trennungs-Modus: „Schlaf mit mir, wann immer ich es will, sonst bist du nichts wert in meinen Augen.“ (Ja, das ist leider Realität statt Klischee.) Tiefe Verbundenheit und ein erfüllendes Sexualleben bedingen sich zwar nicht. Doch da viele Männer, laut Statistik, Beziehungen vorwiegend wegen einer regelmäßigen Sexualität eingehen (Frauen übrigens auch!), kann dieser Typ Frau schmerzen, wenn er sich entzieht. Von seiner Partnerin begehrt zu werden und seinem Partner bedingungslos vertrauen, kann Mann hier weniger erwarten. Was einen Versuch wert ist, sind Gespräche und Vertrauensarbeit, die sehr fruchtbar sein können. Bleiben die Erfolge aber aus, muss Mann damit umgehen können bzw. andere dankbare Seiten an der Partnerin/Beziehung schätzen.

 

Red Flag 10: Sie redet viel, aber hört nie zu

Du bist die Projektionsfläche ihres Bedürfnisses, geliebt und gewollt zu werden. Sie nimmt sich, was sie braucht. Solange sie es will, solange es ihr Spaß macht. Umgekehrt, wenn du deine Bedürfnisse anmeldest, wird es schwierig. Spätestens dann, wenn du sie unterbrichst oder auch Erlebnisse und Gefühle aus deinem Leben teilen möchtest, bagatellisiert sie deine Worte und Erfahrungen, versucht dich mit etwas Besserem oder Schlimmeren aus ihrem Leben zu übertrumpfen oder wird schlagartig bockig und still. Sie steht im Mittelpunkt oder sie ist nicht da und du hast niemanden, der gern bei dir ist. Aber das hat eben seinen Preis.

 

Red Flag 11: Sie will geheiratet werden

sie will nur geheiratet werden abr liebt mich gar nichtWohl jede Frau war einmal ein verträumtes Mädchen, dass sich in einem schönen Brautkleid, umringt von Rosen und Tauben, an der Seite eines gut aussehenden und gestandenen, liebevollen und fürsorglichen Mannes vor dem Traualtar stehen sah. Sie wollen die Hochzeit, das einmalige Ereignis mehr als das, was diese Heirat besiegelte: eine Ehe, die ein lebenslanger Bund werden soll. Jeder, der einmal verheiratet war und sich dann scheiden ließ, wird bezeugen können, dass Ehen auch Opfer abverlangen und ihre Tiefen haben. Ich bin zwar kein Freund des Sprichwortes, dass Beziehungen immer harte Arbeit wären. Aber ich glaube zutiefst daran, dass niemand perfekt ist und im Laufe seines Lebens dazulernen kann, wenn er dafür offen ist. Sich aufeinander einzustellen, Freiräume zu lassen, dem anderen Weiterentwicklung und Selbstverwirklichung zu ermöglichen, sich selbst um sich kümmern zu lernen und zu pflegen, das eigene Glück nicht vom Partner abhängig zu machen, sind beispielsweise Lektionen einer Ehe. Menschen, die sich diesem Gedanken aber gar nicht erst öffnen, sondern in ihrem Kopf bereits „genügen“, sind welche, die meinen, durch eine Heirat nichts mehr tun zu müssen, keine Angst mehr haben zu müssen. Bis zum Moment der Eheschließung beweisen sie sich und sind die treuesten, liebenswertesten und gütigsten Frauen. Wurden sie aber erst einmal geheiratet, ist ihr Ziel erreicht. Dass die schönen Erinnerungen an den einen Tag der Hochzeit aber schnell verblassen und danach noch viele Jahre der Ehe übrig sind, übersehen sie oft.

 

Red Flag 12: Sie sucht einen Vater und keinen Partner

Als Mädchen waren sie Papas kleine Prinzessinnen, denen alles vergeben wurde und die nie eigens aktiv oder verantwortlich gemacht wurden, die man vor dem bösen Leben beschützte und selbstlos liebte bis in den Tod, ja, die sogar wichtiger waren als ihre Mütter. Oder sie hätten sich das gewünscht, aber der Vater war abwesend, verstorben oder dafür verschlossen. Sie suchen bis heute danach, wollen keine erwachsenen Frauen werden, die die volle Wucht der erwachsenen Verantwortung und Pflicht tragen können sollten – für sich und ihr Leben, für ihren Partner und ihre Kinder. Mit ihnen ist eine Beziehung auf Augenhöhe selten möglich, weil sie dem Mann mehr Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl abverlangen, als sie je bereit wären, selbst zu geben. Sie wollen Mädchen bleiben, bewundert werden und immer genügen.

 

Was du wissen solltest, bevor du dein Hobby zum Beruf machst

Was du wissen solltest, bevor du dein Hobby zum Beruf machst

 

Ich habe seit langer Zeit keinen Text mehr nur für mich geschrieben. Seit ich mein Hobby, das Schreiben, zum Beruf gemacht habe, schreibe ich, um damit auch meinen Lebensunterhalt in Form von Geld und beruflicher Anerkennung zu verdienen. Ich dachte ernsthaft, das sei eine hervorragende Idee. Und um es vorwegzunehmen: Ich denke das noch immer. Aber seit einigen Wochen fällt mir auf, dass mir mein Traum gewaltig um die Ohren fliegt. Es sind mit meiner Selbstständigkeit leider Elemente mit zum Schreiben hinzugekommen, die ich jetzt als lästig empfinde. Sie rauben mir nicht selten eine große Portion Motivation. Nicht etwa, weil mir mein früheres Hobby und jetziger Beruf keinen Spaß mehr machen. Sondern weil das Ausleben meines Hobbys/Berufs nun einen Nutzen, Zweck und damit eine Verwertbarkeit für andere Personen haben sollte (jedenfalls, wenn ich erfolgreich sein möchte).

 

Vom Traum, sein Hobby zum Beruf zu machen

sein hobby zum beruf machen berufungHobbys und Leidenschaften sind deshalb so nährend, weil sie uns erlauben, wir selbst zu sein oder etwas zu erreichen, was für uns von Wert ist. Das kann ein Gefühl oder eine Form der Anerkennung von außen sein. Doch in Zeiten der flächendeckend propagandierten Selbstverwirklichung und Potenzialentfaltung á la „Schau, wie einfach es ist, dich zu verwirklichen! Become an Influencer!„-Facebook Posts, Instagram Stories und Youtube Stars ist es leicht, sich von der Verwirklichung eines Traums, sein Hobby zum Beruf zu machen, anstecken zu lassen.

Es sieht beinahe so aus, als ob die Zeitqualität festangestellte Menschen ausgrenzt und abstempelt. Denn nur wenn man selbstbestimmt, in seiner wahren Größe lebt, „seine vollen PS auf die Straße“ bringt und mit sich und seinen Talenten Geld verdient, sei man von Wert und führe ein lebenswertes Leben.(Allesamt Verkaufssprüche, bei denen mir das Würgen kommt.) Wir alle wollen, dass unser Wert erkannt und geschätzt wird. Und ja, ich weiß es ja selbst aus meiner Angestelltenzeit, dass es sehr unliebsame Zeitgenossen gibt, die einem wiederholt eben diesen Wert absprechen und oft auch noch glauben, sie wüssten es besser. Und eben weil wir das alle kennen, erzählen dir etliche Menschen im Internet, wie schön Selbstständigkeit und das Ausleben deiner Berufung ist, wie leicht und wie viel Geld du damit verdienen kannst… Und hier der Haken: Sie versprechen dir, wie leicht es ist, wenn…du ihr Produkt kaufst, damit du bestimmte Anfangsfehler vermeidest oder…wenn du dich noch in ihren Newsletter einträgst, um die fünf wichtigsten Kniffe zum Erfolg kennenlernst oder…wenn du nur an ihrem Webinar teilnimmst, an dessen Ende alles verkauft wird, damit du dein „Business“ starten kannst (noch so ein Würgewort).

Damit verdienen sie ihr Geld, nicht etwa mit ihrem Traum.

Seinen Traum zum Beruf zu machen, ist tatsächlich nicht schwer. Man kündigt entweder und legt los oder man baut es langsam als Nebenselbstständigkeit auf und wartet auf den rechten Zeitpunkt mit der Kündigung. Gerade wenn man denkt, dass es nun losgehen kann, stellen sich aber schon die ersten Hürden ein: blöde und lästige Existenzängste, fehlende Marketingkenntnisse, geringe Kundschaft oder viel zu wenige Menschen, die von deinem Produkt/deiner Dienstleistung Kenntnis haben. Das sind nur die halbschlimmen Dinge. Die in meinen Augen wirklich schmerzenden Nebenprodukte sind emotionaler Natur und kommen nicht selten einem Raubbau an deiner Seele gleich. Man muss wissen, wie man damit umgehen wird, wenn es soweit ist. Denn treffen werden dich diese (oder ähnliche) Schläge über kurz oder lang ganz sicher:

 

Dein Hobby gehört nicht mehr nur dir. Vielleicht brauchst du sogar ein neues.

bewusstsein der anderen achtsamkeitMach dir eines bewusst: Alles hat einen Nutzen. Jedes Hobby gibt dir ein Gefühl, zum Beispiel grenzenlose Freiheit der Gedanken, Selbstausdruck, Kontakt zu deinen Gefühlen, Kreativität, Dingen eine Form geben, Zeit, Flow, Dinge in Ordnung bringen, körperliche Aktivität, die Erfahrung der körperlichen/geistigen/emotionalen Stärke, um nur einige zu nennen. Für mich bedeutete Schreiben früher Selbstausdruck und Kontakt zu meinen Gefühlen, Bedürfnissen und wahren Wünschen zu haben und auszuleben.

Es geschieht sehr schleichend, dass du das, was dir früher so viel Spaß machte und Halt gab, plötzlich zu einem Instrument deines Erfolges wird. Dein Erfolg stiftet den Wert, nicht mehr nur das Gefühl, das dein Hobby dir stiftete. Wollen deine Kunden das Instrument nicht, wirst du dich beizeiten sehr erfolglos, versagend oder gar wertlos fühlen. Der Perfektionismus schleicht sich von hinten an. Denn wenn du nur X tätest oder bei Y besser wärst, dann…würde alles besser werden. Dann weiterzumachen und durchzuhalten, nicht aufzugeben, das Vertrauen in sich selbst zu bewahren und die Hoffnung aufrechtzuerhalten, ist eine Kunst.

 

Das Resultat muss nicht mehr nur dir gefallen, sondern vor allem anderen.

Sonst läufst du Gefahr, dass du nicht gefällst. Und kein Mensch kauft etwas, was ihm nicht gefällt oder was ein nicht wünschenswertes Ergebnis für ihn bringt. Wenn du ein Online Business starten willst, Blogger, Influencer oder sonstwas im Internet werden möchtest, hat vieles mit der Anzahl der Likes, Shares und Kommentare, Seitenaufrufe, monatlichen Besucherzahlen, Verweildauer, Absprungrate undgefallen müssen hobby zum beruf machen was tunAnzahl der besuchten Seiten zu tun, Reichweite und Beitragsinteraktionen. Begriffe, die du lernen musst, an denen du mitunter deinen Wert messen wirst. In jedem Fall hat deine Leidenschaft plötzlich den Anspruch, schön, wertvoll, informativ, inspirierend, begehrenswert, Neid erregend oder wenigstens Sehnsucht erweckend zu sein. Es muss Gefühle in deinen Kunden ansprechen. Tut es das nicht, hat es keinen Wert gestiftet. Stiftet es für andere keinen Wert, verdienst du kein Geld und bekommst keine Anerkennung.

Nichts schmerzt mehr, als für das, was man tut und liebt, keine Zuwendung zu erhalten. Wenn dich deine Leidenschaft nachts nicht schlafen lässt, weil du damit nicht deinen Lebensunterhalt verdienen kannst, wird es fatal. Ich habe mich mehrfach dabei ertappt, wie ich alles infragestellte, wie ich an meinem Traum zweifelte und vor allem: an mir. Das andere Extrem, zwar Aufmerksamkeit zu bekommen, aber eben negative, in Form von Kritik, destruktive Meinungen, Neid, Eifersucht, Shitstorms oder Menschen, die sich angegriffen fühlen oder glauben, es besser zu wissen, ist eine weitere, soul-sucking Seite der Medaille. Für mich am schlimmsten ist die Verachtung, die einem beizeiten entgegengebracht wird. Man weiß, man hat sich etwas Großes getraut und wird dennoch (oder deshalb) dafür belächelt. Vor allem dann, wenn die eigene Versagensangst mehr als präsent ist. Dann kann echt jedes Wort eines unbedachten und unachtsamen Menschen wie Messer in deine Haut schneiden.

 

Berufung ist nicht immer schön, sondern bedeutet auch Stress und Leistung.

Also genau das, was man eigentlich hinter sich lassen wollte, als man alles über den Haufen warf und sein Hobby zum Beruf machte. Berufung bedeutet, dass die Themen zu dir kommen. Aber wenn dein Hobby zum Beruf wurde, dann musst du dich zwangsläufig nach Themen und Bedürfnissen deiner Kundschaft umschauen, damit diese zu dir kommen. Wer in den sozialen Medien präsent ist und dort eine Followerschaft hat, die einen großen Teil des monatlichen Verdienstes ausmachen oder als wiederkehrende Besucher auf deine Website kommen, um dort zu barem Geld zu werden, der spielt nicht selten den fähigen, gut gelaunten Entertainer á la „Nichts tut weh und alles ist wunderschön!“ – schon einmal vorab, um die Leute bei Stange zu halten, weil man im Hinterkopf sein Seminar plant, den Launch seines Produktes oder Release seines sonstwas’es.

Auch die, die ihr Leid(en) zum Produkt machen, haben schlicht das Problem, dass sie das aufrechterhalten müssen, um für die LeserInnen interessant zu bleiben, auch wenn sie mal so richtig Bock auf grundlose Freude hätten.

 

Schöne, einsame Welt

negative seiten online business berufung hobby zum beruf machenWer Einzelunternehmer ist, dieses heiß begehrte Ding namens Solopreneurship durchzieht, der ist vor allem eines: SOLO, zumindest zu Beginn: Allein für alles verantwortlich, schießt man von der Umsatzsteuervoranmeldung über das Social Media Marketing bis hin zur Erstellung wirksamer Landingpages, dem Korrektorat seiner Werbetexte und dem Ideenmanagement einfach alles ALLEIN.

Schön, weil einem niemand hineinredet und man alles endlich allein entscheiden kann, oder? Leider nicht immer. Wie oft wünschte ich mir jemanden, mit dem ich über eine Idee und mögliche Umsetzung sprechen konnte oder der mir erklärt, wie Videos aufnehme, welche Hardware die beste für Podcasts ist usw. Wenn es ganz dumm läuft, sitzt man daheim allein vor seinem PC und arbeitet im Home Office, was auf lange Sicht sehr einsam machen kann.

ABER:

Wenn du bereit bist, mit all dem umzugehen und ein paar individuelle Dinge, die ich sicher vergessen habe, dann kann es sehr befriedigend und wunderschön sein. Allein morgens aufzustehen und zu wissen, dass der heutige Tag mit dem erfüllt sein wird, was man liebt und was man kann, wofür man Geld bekommt und lobende Worte, trägt zumindest mich über viele nicht so schöne Momente hinweg. Ich kann mich heute leiten lassen, wo ich früher geleitet wurde.

Das langsame Hineinwachsen in seine Berufung wünsche ich jedem, besonders denen, die sich nach oder wegen ihrer psychisch belasteten Zeit ihrer Berufung zuwenden möchten – und ja, wenn nötig, auch die Kraft, um sich seinetwegen durchzuboxen!

Alles Liebe,
Janett Menzel

Janett Menzel Angst Blog

 

 

Hypochondrie: Ein Erfahrungsbericht über Symptome und Auswege

Hypochondrie: Ein Erfahrungsbericht über Symptome und Auswege

 

Hypochondrie wird auch Krankheitsangst oder hypochondrische Störung genannt und ist eine somatoforme Störung.

Dabei stehen neben Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit und Erschöpfung Schmerzsymptome an vorderster Stelle, gefolgt von Herz-Kreislauf-Beschwerden, Magen-Darm-Beschwerden, sexuellen und pseudoneurologischen Symptomen. Somatoforme Symptome treten bei circa 80 Prozent der Bevölkerung zumindest zeitweise auf, gehen in der Regel von selbst vorüber und werden kaum beachtet. Bei einigen Personen (die Angaben über die Häufigkeit schwanken zwischen 4 und 20 Prozent) können sich diese Beschwerden aber chronifizieren und eine zentrale Rolle im Leben einnehmen. (Wikipedia)

Etwa 1 Prozent der Bevölkerung sind schwere Hypochonder; hingegen leiden etwa 11 Prozent aller Menschen, die keine Ursachen für eine Beschwerde finden, vermutlich an der Angst vor Krankheiten, wie Hans-Christian Deter, Professor für Psychosomatik an der Charité Berlin, in einem Interview äußerte.

ich bin krank aber mein arzt sagt ich sei gesund hypochondrieAuch Sebastian D. Kraemer, Gründer des Psyche Blogs PSOG vermutete „bei jedem Kribbeln, Stechen und Zwicken, bei jeder Veränderung des Herzschlages und dem kleinsten Ziehen“ sofort das Schlimmste. „Und ich hatte eine Vielzahl von Beschwerden, einige einmalig oder selten. Andere immer wieder. Herzstolpern, Stiche in der Brust, Flimmern vor den Augen, Müdigkeit, Ohrgeräusche und ein dumpfes Gefühl im Kopf waren die häufigsten. Bevor ich wusste, dass ich an den typischen Symptomen einer Hypochondrie, der Angst vor Krankheiten, litt, recherchierte ich nahezu täglich im Internet, um einen Hinweis für die Ursache meiner Symptome zu finden, oftmals stundenlang. Eigentlich erhoffte ich mir eine Beruhigung. Tatsächlich trieben meine Recherchen die Angst auf die Spitze.“

Hypochondrie kommt mit einschlägigen Symptomen daher:

  1. Man ist felsenfest davon überzeugt, krank zu sein, auch wenn Ärzte nichts finden können.
  2. Entsprechend hoch ist die Anzahl von Arztbesuchen: um sich tiefgründig untersuchen zu lassen, an freiwilligen Tests teilzunehmen oder Gegenmeinungen einzuholen.
  3. Wenn der eine Arzt nichts findet, wechselt man ihn. Vielleicht täuscht er sich oder man hat bereits das Vertrauen in denjenigen verloren.
  4. Man recherchiert im Internet und anderen Quellen nach Ursachen, Möglichkeiten, unerkannten und unbekannten Symptomen und Krankheitsbildern.
  5. Gesundheitliche Themen werden im privaten Umfeld immer mehr zum Gesprächsthema Nummer 1.
  6. Man stellt eigene Untersuchungen an, denn heutzutage kann man sich von umfangreichen Allergietests, Blutuntersuchungen bis hin zu medizinischen Geräten wie Blutdruckmesser Vieles bestellen, und ohne Arzt wirksam werden.
  7. Die kleinsten Anzeichen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung werden überspitzt und als etwaiges Symptom für eine untergründige, größere Krankheit angesehen. So kann ein Herzrasen ein Signal für eine Herzerkrankung, Kopfschmerzen für einen Gehirntumor, Blutdruckschwankungen für eine Herz-Kreislauf-Schwäche und Stechen und Schmerzen in den Gliedmaßen als Herzinfarkt missinterpretiert.
  8. Um die eigenen Bedenken schnell und wirksam auszuschalten bzw. zu minimieren, werden viele zu einem Gesundheitsfanatiker und vermeiden alles, was die Symptome stärken würde. Die Angst davor, krank zu sein, kann bis zur Paranoia führen.

Sebastian war so nett und hat für mich einen Erfahrungsbericht über Hypochondrie verfasst, den du im Folgenden lesen kannst.

 

Ich und die Hypochondrie: Die Angst vor Krankheiten

bin ich krank werde ich sterben hypochondrie die angst vor krankheitenBesser eine Kontrolle zu viel, als zu wenig und so machte ich mich oftmals auf den Weg zum Arzt oder ins Krankenhaus. Klar kam ich mir dabei irgendwie doof vor. Schließlich ging auch ich davon aus, dass nichts Ernstes dahinter steckt. Und ich wusste, dass meine Reaktion übertrieben war. Ich war ja kein Idiot. Ich litt an einer ausgeprägten Hypochondrie, auch hypochondrische Störung genannt. Das war mir schmerzlich bewusst. Allerdings konnte auch ein Hypochonder tatsächlich krank werden.

Meine Hypochondrie beschränkte sich übrigens nicht nur auf die Angst vor einem Herzinfarkt. Große Angst hatte ich auch vor Krebs und neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Multiple Sklerose und ALS.

Ich hatte damals nicht „nur“ eine Hypochondrie. Auch eine Panikstörung und eine generalisierte Angststörung wurden diagnostiziert. Vielleicht war die Hypochondrie auch Teil der generalisierten Angststörung. Die Experten waren sich da nicht ganz einig und mir war es egal. Ich wusste nur, dass ich verdammt große Angst vor Krankheiten hatte.

Vor ernsthaften Krankheiten. Ein Magen-Darm-Virus oder eine Erkältung waren allenfalls unschön. Wirklich Angst hatte ich davor nicht. Ich war auch nicht wehleidig. Andererseits konnten vermeintliche Erkältungssymptome im Einzelfall auch Vorboten schwerer Krankheiten sein. So ganz gelassen konnte ich daher auch mit einer banalen Erkältung nicht umgehen.

Das Stechen in meiner linken Brust rührte vermutlich von Verspannungen im Rücken. Das hatte ich auf diversen „Gesundheitswebseiten“ gelesen. Aber dort war auch von Fällen zu lesen, in denen solche Stiche einen Herzinfarkt ankündigten. Unwahrscheinlich bei einem Hungerhaken wie mir im Alter von 27 Jahren, der eher zu einem niedrigen als eine, hohen Blutdruck neigte. Diverse Untersuchungen wie normale EKG’s, Langzeit- und Belastungs-EKG’s, Ultraschall und unzählige Blutdruckmessungen machten einen Herzinfarkt sicher nicht wahrscheinlicher. Schließlich wurde nichts gefunden.

Doch unwahrscheinlich ist nicht unmöglich. Als BWL-Student kannte ich mich ganz gut in Wahrscheinlichkeitsrechnung aus. Ich war kein großer Mathefan, doch als leidenschaftlicher Pokerspieler mochte ich Statistik und Stochastik. Und ich schätzte die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Stechen in der Brust KEINEN Herzinfarkt ankündigte, auf etwa 98 %. Ich war also relativ „safe“. Beim Pokern habe ich allerdings schon mit Händen verloren, die eine höhere Siegchance als 98 Prozent garantierten. Ich wusste also aus Erfahrung, dass auch unwahrscheinliche Ereignisse manchmal eintreten. Unwahrscheinlich bedeutet schließlich nicht unmöglich.

 

War die Ursache meiner Hypochondrie die Angst vor dem Tod?

Ich entschloss mich damals zu einer psychosomatischen Reha. Der Chefarzt stellte die These auf, dass meine Hypochondrie aus der Angst vor dem Tod resultierte.

Hatte ich Angst vor dem Tod? Klar! Wer hat das nicht? Ich wusste nicht, wie das sein würde und ob da überhaupt etwas sein würde oder ob es das dann insgesamt gewesen ist. Der Tod, die große Unbekannte. Das Ende? Ein Anfang? Anfang für was? Natürlich hatte ich Angst vor dem Tod!

Auf den Vorschlag des Chefarztes hin stellte ich mich dieser Angst, indem ich mich gedanklich in die Situation versetzte, nur noch drei Tage zu leben zu haben. Letztlich stellte sich heraus, dass die Angst vor dem Tod nicht oder nicht allein für meine Hypochondrie verantwortlich war, doch ich gewann für mich extrem wichtige Erkenntnisse, die zur Überwindung meiner Hypochondrie beitrugen.

Ich wusste nämlich überhaupt nicht, was ich mich meinem Leben anfangen sollte. Was wollte ich arbeiten? Wie wollte ich leben? Frau und Kinder oder Singleleben und Party? Haus oder Junggesellenbude? Ich hatte diese Fragen noch nicht abschließend beantwortet. Wegweisende Entscheidungen, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht zu treffen gewagt habe. Ich wusste überhaupt nicht, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Den baldigen Tod hypothetisch vor Augen erkannte ich, was mir wirklich wichtig war. In der Kurzfassung: Freundin, Familie, Freunde. Ich wollte Kinder. Und beruflich wollte ich mein eigenes Ding machen.

Das Todesritual und die dabei gewonnenen Erkenntnisse beschreibe ich detailliert in meinem Buch „Exfreundin Angst“.

 

Hypochondrie ist oft nur eine willkommene Ablenkung

Wie gesagt: Ich hatte verschiedene Ausprägungen einer Angststörung. Und aus meiner Sicht tragen immer auch verschiedene Faktoren zur Überwindung einer Angststörung bei. Wenn ich aber einen Faktor herausstellen müsste, der mehr als die anderen dazu beigetragen hat, speziell die Hypochondrie hinter mir zu lassen, dann würde ich sagen, dass es dieser war:

Ich musste herausfinden, was ich mit dem Rest meines Lebens anfangen wollte.

Denn seien wir mal ehrlich: Wenn man nichts mit seine Leben anzufangen weiß oder insgesamt unzufrieden ist, dann kommt eine Hypochondrie doch irgendwie ganz gelegen. Manchmal ist die zeitintensive Beschäftigung mit möglichen Krankheiten eine willkommene Ablenkung. Wenn wir davon ausgehen, schwer krank zu sein, vermeiden wir es, uns unangenehmen Fragen und schwierigen Entscheidungen zu widmen. Was würde das auch für einen Sinn machen? Und wenn dem so ist, dann müssen wir uns doch zunächst diesen Dingen widmen.

Sonst halten die unbeantworteten Fragen die Hypochondrie aufrecht.

 

3 Tipps, um eine Hypochondrie zu überwinden

Tipp 1: Lass die Recherchen im Internet sein. Du wirst dabei immer auch auf ernsthafte Erkrankungen stoßen. Auch wenn diese unwahrscheinlich sind, werden die gefährlichen Sachen bei dir hängen bleiben und die Angst steigern. Dann solltest du lieber zum Arzt gehen.

Tipp 2: Blicke auf dein Leben und sei ehrlich zu dir selbst: Was gefällt dir momentan nicht (unabhängig von der Hypochondrie)? Wie möchtest du stattdessen leben? Triff wichtige Entscheidungen!

Tipp 3: Vernünftige Vorsorge und Arztbesuche machen Sinn. Wenn man an einer Hypochondrie leidet oder gelitten hat, steht man vor der Herausforderung, abzuwägen, ob ein Arztbesuch anzuraten oder übertrieben ist. Ich habe für mich entschieden, dass ich dann zum Arzt gehe, wenn (neue, bislang nicht bekannte) Beschwerden auftreten, die sich schnell verschlimmern oder längere Zeit nicht verschwinden. Bei bestimmten schwerwiegenden Symptomen wird man wohl ohnehin zum Arzt gehen. Warte also nicht zu lange, wenn du aus den Ohren blutest, nicht mehr richtig sprechen kannst oder der Arm abfällt. 😉

Ich hoffe, dass dir dieser Beitrag eine etwas andere Sicht auf die Hypochondrie verschafft. Denn wenn ich eines in den letzten Jahren gelernt habe, dann, dass es bei der Suche nach der Lösung Sinn macht, die Angst an sich mal ein wenig in den Hintergrund zu schieben, um die Angststörung überwinden zu können.

Mehr von Sebastian und seinem Weg raus aus der Angststörung, kannst du auf seiner Website www.psog.de lesen. Sebastian hat aufgrund seiner Erfahrungen mit Hypochondrie, Panikattacken und der generellen Angst eine eigene Akademie ins Leben gerufen: Die Anti-Angst Akademie, auf der sich Betroffene anonym helfen lassen können. Mehr Informationen dazu findest du hier >> Sebastian D. Kraemers Anti-Angst Akademie

 

Das kleine Mädchen Muss: „Du brauchst einen Mann!“ (Nr. 2)

Das kleine Mädchen Muss: „Du brauchst einen Mann!“ (Nr. 2)

 

Das Kleine Mädchen Muss ist eine Erfindung von Janett Menzel (und daher auch urheberrechtlich sowas von geschützt, dass es saumäßigen Ärger gibt, wenn sie jemand in Auszügen oder vollständig klaut oder gar auf die Idee kommt, ihre Energie zu stehlen). Die Episoden beruhen auf eigenen Erlebnissen und Auseinandersetzungen mit ihrem inneren Kind, dem man nicht immer alles erlauben und schon gar nicht alles glauben muss. So zickig, wie sie auch sein kann: Sie meint es nur gut mit der erwachsenen Janett, auch wenn sie oftmals vergisst, dass wir mittlerweile erwachsen sind. Kurzum: Die Regeln der „Großen“ gelten heute einfach nicht mehr. Aber erklär‘ das mal einer 12jährigen, die stets versucht, brav und gehorsam zu sein, um ihre Ziele zu erreichen! 


Freitag, 11:28 Uhr. Die Sonne schien durch mein Balkonfenster und tauchte mein Wohnzimmer in ein warmes, und vor allen Dingen, stilles Licht. Ich saß seit Tagen am Abschluss meines Buches über Einsamkeit und korrigierte die letzten Kapitel.

Mein kleines Mädchen Muss hatte es sich seit kurz nach neun auf dem Sofa gemütlich gemacht und überprüfte die Liste meiner Lebensauflagen, wie jeden Tag. Ich lachte leise, als ich mir meine leere Kaffeetasse schnappte und auf dem Weg in die Küche war.

„Lach nicht! Bei so vielen Aufgaben, muss man gründlich arbeiten. Stell dir nur mal vor, was passieren würde, wenn ich etwas vergesse!“

„Nicht auszumalen!“ rief ich aus der Küche und grinste weiter in mich hinein.

„Solltest du auch mal probieren!“ blubberte sie lautstark. „Ach, und übrigens: Du brauchst einen Mann!

Mit Entsetzen im Gesicht eilte ich so schnell es ging zurück ins Wohnzimmer.

„Bidde?“

„Das heißt: Bitte! Mit t, nicht mit d!“ korrigierte sie mich.

„Ich wohne in Berlin! Da werde ich jawohl noch berlinern dürfen!“

„Du kommst aus MECKLENBURG-VORPOMMERN!“

„Könnten wir dieses nutzlose Gespräch lassen? Ich will heute noch was schaffen!“ sagte ich, setzte mich wieder an den Schreibtisch und korrigierte weiter mein Manuskript.

„Welches Ziel verfolgst du, wenn du einen Mann kennenlernst? Daten, One Night Stands, eine lockere Beziehung, Freundschaft oder die Liebe fürs Leben?“ las sie mit ernster Stimme vor. In ihren kleinen Händchen hielt sie mein Smartphone.

„Was ist denn das für eine Frage?“ Ich blickte kurz von meinem Laptop auf.

„Ich lese gerade einen Beitrag, in dem steht, dass man sich vier Fragen stellen muss, wenn man Liebe finden will. Das ist die erste“, sagte sie ruhig.

„Und genau deswegen dürfen kleine Kinder nicht mit den Sachen der Großen spielen!“ antwortete ich, rollte mit meinem Schreibtischstuhl zur Couch, riss ihr mein Handy aus den Händen und rollte wieder zurück.

„Hey! Ich lese gerade“, schrie sie wütend. Das kleine Mädchen Muss sprang vom Sofa auf und stellte sich provokant neben mich.

„Es handelt sich hierbei um ernste Angelegenheiten. Wir müssen das besprechen! Du kannst nicht ewig vor einer neuen Beziehung davonlaufen!“

„Ich laufe doch gar nicht davon!“ protestierte ich.

„Im Juli 2015 hattest du das letzte Mal…“

„OKAY! OKAY! Ich erinnere mich. Aber entspann dich…“, versuchte ich sie zu beruhigen. „Ich werde schon irgendwann jemanden kennenlernen!“

„Irgendwann? I R G E N D…WANN?“ Ihre Stimme wurde wütend, ihr Atem tief und laut, ihre Stirn schmiss sich in Falten. Ich wusste, das hieß nichts Gutes und lenkte deshalb ein:

„Wie lauten eigentlich die anderen drei Fragen?“

Etwas besänftigt hob sie ihr Kinn:

„Zweitens: Welche Eigenschaften und Verhaltensweisen sind absolut inakzeptabel? Drittens: Welche machen dich stutzig und vorsichtig? Und die letzte Frage lautet: Welche findest du anziehend und begehrenswert?“

Mein kleines Mädchen Muss war hervorragend darin, sich eben Gelesenes perfekt einprägen zu können. Sie starrte mich noch immer mit böser Miene an. Nach gefühlten drei Minuten voller Schweigen und prüfendem Gucken, gab ich nach. Es würde ja doch nichts nützen.

„Ist ja gut!“ Ich dachte nach. „Also ich will definitiv niemanden, der mir den ganzen Tag über sinnlose Nachrichten schreibt, weil ihm langweilig ist. Und ich will auch niemanden, der nie Zeit hat oder nur für Sex vorbeikommt.“

„Das beantwortet meine Frage nicht!“ totterte sie zurück. „Willst du eine lockere, oberflächliche Beziehung oder willst du eine Freundschaft oder willst du nur mal gucken, was es da so gibt oder suchst du nach der Liebe fürs Leben?“

„Muss ich das jetzt entscheiden?“ fragte ich überrascht.

„Selbstverständlich!!! Wann denn sonst?“ antwortete sie wütend.

„Wenn es so weit ist?“, erwiderte ich vorsichtig. Zum Glück erinnerte ich mich an meine Überzeugungen und Werte. „Manchmal lernt man jemanden kennen und verliebt sich einfach nicht. Dafür gibt man aber wunderbare Freunde ab. Und manchmal, wenn man glaubt, nur Freundschaft zu wollen, findet man Liebe. Ich habe noch nie gehört, dass große Erwartungen große Ergebnisse nach sich zogen. Guck dir doch die ganzen Online Dating Singlebörsen an! Immer wenn ich irgendwo angemeldet war, dauerte es nicht einmal 24 Stunden, bis ich mich wieder abmelden wollte.“

„Weil du einfach kein Durchhaltevermögen hast!“

„Warum muss immer ich schuld sein? Manchmal sollen Dinge einfach nicht sein!“ verteidigte ich mich.

„Vielleicht hättest du den Mann deines Lebens getroffen, wenn du nur zwei Tage länger dort geblieben wärst. Aber wenn du immer gleich aufgibst, dann kann das ja nichts werden.“

„Ach, schau dir doch die Männer an, die sich dort tummeln. Die Hälfte ist nackt, weil sie glaubt, dass ein schöner Oberkörper alles sei, wonach eine Frau suchen würde.  Und die andere Hälfte ist so sehr damit beschäftigt, irgendjemanden zu finden, damit sie nicht mehr allein sind, dass sie vollkommen vergessen, dass dieser irgendjemand auch zu ihnen passen sollte. Und beim ersten kleinen Problemchen machen sie sich ins Hemd und dann aus dem Staub!“

Erstaunlicherweise wusste mein kleines Mädchen Muss dazu nichts zu sagen.

„Wie dem auch sei: Wenn du einmal im Jahr für 24 Stunden nach einem Mann suchst, wirst du für den Rest deines Lebens allein bleiben. Wir sollten das schleunigst ändern! Am besten noch heute!

„Wir?“

„Ja, ich werde dir natürlich helfen!“

„Natürlich“, wiederholte ich mit Schrecken in der Stimme.

Ihre rehbraunen Augen begannen zu leuchten und auf ihren kleinen Lippen zauberte sich ein Lächeln.

„Wir legen dir erst einmal ein neues Profil auf allen Singlebörsen an. Und dann musst du einfach nur ein paar simple Regeln befolgen. Erstens: Du…“

„Auf gar keinen Fall!“ Noch mehr Regeln ertrug ich nicht. „Wenn ich mich auf jemanden einlasse, dann weil er mir gefällt und weil ich ihm gefalle, so wie ich bin. Lass uns die traditionellen Wege nehmen.“

„Ach! Und die wären?“ entgegnete sie überheblich.

„Na draußen, du weißt schon, an der frischen Luft, unter dem Nachthimmel, bei einem lauen Lüftchen im Sommer. Im Sommer ist den Menschen vielmehr nach Liebe, als im Winter.“

„Aber es ist Winter!“ antwortete sie lautstark.

„Morgen ist Frühlingsanfang!“ korrigierte ich sie. „Und übrigens ist Alleinsein kein Weltuntergang“, klärte ich sie auf.

Natürlich wusste ich, dass man durch Rückzug keine neuen Menschen kennenlernen würde, aber ich war auch kein Fan vom krampfhaften Suchen nach der großen Liebe.

„Die meisten lernen sich im Job oder durch gemeinsame Freunde kennen. Du arbeitest Zuhause und durch deine Freunde wird das auch nichts. Also scheidet beides aus. Nun dann…“  Sie räusperte sich. „Ich bin gespannt auf deine Vorschläge!“

Dann schnappte sie sich einen Stift vom Schreibtisch, flitzte mit ihrer Papierrolle voller Regeln in der Hand zurück zur Couch und war bereit für Notizen.

„Äh… Okay. Also…“ Ich dachte nach. „Speed Dating, Veranstaltungen aller Art, neue Kneipen oder Restaurants ausprobieren, neue Kontakte knüpfen in der Freizeit, an Kursen teilnehmen oder sich für einen guten Zweck engagieren“, schlug ich vor. „Oder neue Hobbys natürlich und…“ Mir fiel nichts mehr ein. „Und so weiter eben…“

„Und was davon willst als Erstes du tun?“ fragte sie mich gespannt.

Auf nichts davon hatte ich wirklich Lust. Ich atmete tief ein und schaute sie erbarmungsvoll an. Doch ihr Blick blieb ernst und fordernd. Ich schluckte meine Bredouille herunter.

„Speed Dating?“ fragte ich schließlich ängstlich. „Annette und ich hatten letztens überlegt, ob wir das mal ausprobieren.“

Die Augen des kleinen Mädchens Muss wurden groß und füllten sich mit jeder Sekunde, die ich auf ihre Antwort wartete, mit noch mehr optimistischer Vorfreude.

Dann sagte sie ruhig, während sie belehrend ihren Stift in der Luft hin- und herfuchtelte: „Aber das ist kein Spaß! Jemanden kennenzulernen und ihn für sich zu gewinnen, muss gut vorbereitet sein!“ erklärte sie mir. „Du musst einige Regeln einhalten. Ich werde umgehend welche zusammenstellen!“

„Gibt es etwa noch keine Regeln dafür?“ fragte ich überrascht. Ich würde natürlich jede einzelne ignorieren. Aber Manipulation meiner kleinen Kritikerin erschien mir sinnvoll. Immerhin wollte ich heute noch mein Buch fertigstellen.

„Doch, doch! Natürlich! Regel Nummer 1: Du musst immer hübsch aussehen. Regel Nummer 4: Du musst dich anstrengen. Regel Nummer 5: Du musst Sven vergessen. Regel Nummer 11: Du musst…“

„Okay, okay!“ unterbrach ich sie. „Das…sind ziemlich viele Regeln, findest du nicht?“

„Es gibt noch mehr! Oh, aber das hier ist die wichtigste von allen“, sagte sie und schaute ehrfürchtig von ihrer Papierrolle zu mir auf. „Du darfst keine Angst haben!“

„Jeder hat Angst, jemandem, den man mag, nicht zu gefallen!“ korrigierte ich sie.

„Nun, das mag sein, aber sonst ergibt doch Regel 29: Du darfst keine Fehler machen! gar keinen Sinn!“

„Perfektion ist Sache der Götter. Jeder Mensch macht Fehler.“

Sie schaute mich missmutig an.

„Aber Regel Nummer 31: Du musst immer stark sein oder wenigstens so wirken!“

„Wer will denn jemanden, der immer stark ist? Dann muss man ja auch immer stark sein!“

Wieder schaute sie mich perplex an.

„Aber Regel Nummer 36: Du musst immer die Kontrolle behalten!“

„Kontrolle zerstört Liebe. Liebe und Ketten vertragen sich nicht!“

„Aber…“ Sie schaute mich durcheinander an. „Regel 40“, schrie sie. „Du musst Menschen beeindrucken! und Regel 68: Du musst immer lieb, brav und nett sein.“

„Ich glaube, es ist besser, wenn man authentisch ist…“

„Jetzt ergibt ja gar nichts mehr Sinn!“ Sie schien traurig und enttäuscht und ging bestürzt ihre Liste durch.

„Vielleicht solltest du deine Regeln überdenken!“ schlug ich vor.

„Das würde alles durcheinanderbringen! So geht das nicht!“ sagte sie.

„Aber das ist die Realität. In der Liebe ist alles erlaubt! Wir alle fürchten uns, anderen Menschen nicht zu gefallen, nicht zu genügen oder verlassen zu werden. So ist die Welt nun mal.“

Ich hatte mich in meinen Schreibtischstuhl zurückgelehnt und beobachtete mit Freude, wie das kleine Mädchen Muss versuchte, sich darauf einen Reim zu machen.

„Das ist…in der Tat…problematisch“, stotterte sie.

Ich lächelte und wartete geduldig auf ihre Reaktion.

„Und was macht man dagegen?“ fragte sie hektisch, während sie mich mit ihren weit aufgerissenen Augen anstarrte.

Ich zuckte mit den Achseln. „Nichts. Nur durchstehen, hoffen und vertrauen.“

„Nun, vielleicht wäre es gut, wenn ich…einige Anpassungen der Regeln vornehme!“ schlussfolgerte sie und sah mich hilfebedürftig an.

„Das klingt mir nach einer sehr guten Idee!“ grinste ich, drehte mich um und widmete mich endlich wieder meinem Buch.

Das kleine Mädchen Muss starrte noch eine Weile Löcher in die Luft, bevor sie sich mein Smartphone nahm und drei Wörter bei Google eintippte:

Hoffnung und Vertrauen.

P. S. Aus dem Speed Dating kam ich zwar nicht mehr raus. Aber mein Buch habe ich fertiggestellt.

© Janett Menzel, 2017

Bild: New York Zoos and Aquarium

Hier geht’s zur ersten Episode des kleinen Mädchens Muss: >> Das kleine Mädchen Muss: Episode 1 – Der innere Kritiker